Die Jungen Kirchen
und die Zukunft des Kirchlichen Amtes
Plädoyer
für
Kreise von ordinierten Gemeindeältesten
Von Bischof Dr. Fritz Lobinger
Festvortrag
vom 15. Oktober 2008 am
„Dies
facultatis" der katholisch-theologischen Fakultät
der
Universität
Wien zu Ehren des emeritierten Prof. Dr. Paul M. Zulehner.
Kurzfassung publiziert in: missio
korrespondenz
3/2008, S. 8-10
Wien hat schon oft eine Brückenfunktion
ausgeübt
zwischen den Fronten, esonders
zwischen Ost und
West. Heute geht es wiederum um eine solche Brückenbildung,
zwischen dem Norden der Kirche und ihrem Süden,
in der Frage der Zukunft des Amtes der Kirche. Sie als Fakultät
haben dazu eine Person wie mich eingeladen, wohl wissend dass
ich mit einem Fuß
in den Alten Kirchen des Nordens stehe, mit dem anderen in den
Jungen Kirchen des Südens.
Ich bin einerseits gebürtiger
Passauer, und bin
anderseits emeritierter Bischof und Staatsbürger
Südafrikas.
In den Jahrzehnten meiner Arbeit in den Jungen Kirchen hat mich
nicht eigentlich die
Frage des
Priestermangels beschäftigt
sondern die Frage der Partizipation der Gemeinden. Wie können
in den Gemeinden möglichst
viele aktiv teilnehmen, und
was heißt
das konkret? Wie viel kann eine Gemeinde aus sich selbst leisten
und wie
viel hängt
sie davon ab dass jemand von außen
kommt und für
sie sorgt - also die
Frage nach der
Form des kirchlichen Amtes, von der Seite der Partizipation her
betrachtet. Zunächst
geht es um die Zuspitzung der
Ämterfrage
in den Jungen Kirchen.
Die Zuspitzung der
Ämterfrage
in den Jungen Kirchen
Was sagen die
Jungen Kirchen zur
Ämterfrage?
Sie sagen gar nichts. Sie sind seltsam schweigsam darüber.
Nicht deshalb weil der Priestermangel dort nicht
bestünde,
sondern deshalb weil jene Diözesen
sich schon allzu sehr daran gewöhnt
haben.
Es ist
erschreckend zu beobachten dass das Fehlen der
Sonntagseucharistie dort niemand aufregt. Es ist kaum jemals ein
Thema. Bischöfe
und Priester reden sich heiß
über
soziale Ungerechtigkeiten,
über
AIDS, über
die Verrat der Demokratie,
über
Katechese und Katechumenat,
über
Inkulturation - nicht aber
über
das häufige
Fehlen der Sonntagseucharistie.
Die jungen Pfarrer
und ihre Katholiken sind mit der Situation der seltenen
Eucharistiefeier
aufgewachsen. "Das war schon immer so, das war noch nie anders,
das wird so bleiben, denn es kann ja gar nicht anders
werden..."
Das ist eine
Zuspitzung der
Ämterfrage
in den Jungen Kirchen. Dort ist diese
Krankheit bereits chronisch
geworden. Man nimmt sie nicht mehr als Krankheit wahr.
Nun kam ein weiteres,
überraschendes
Moment hinzu. Denn das Zweite Vatikanum
hat dieser
bedauerlichen Mangelerscheinung auf einmal einen positiven
Aspekt verliehen. Nun hieß
es auf einmal: Kirche, das ist nicht nur die Hierarchie sondern
das sind die am Ort versammelten Gläubigen.
Und nun spricht man nicht mehr von
bedauerlicherweise
notwendigen Helfern sondern vom Geschenk der Charismen.
Aus dem Notstand wird nun
eine Tugend. Dazu kommt ein weiteres: Wogegen die
Sonntagseucharistie früher
ein recht fremder Vorgang war in den man sich kaum
aktiv einschalten konnte,
wurde der Sonntagsgottesdienst nun die ureigenste Sache
der Gemeinde. Denn fast jeden Sonntag wird dieser
Wortgottesdienst jetzt geleitet von den Leuten der Gemeinde
selber, gestaltet von ihnen, geplant von ihnen. Der normale
Sonntagsgottesdienst ist jetzt ihre eigene Sache. Das Entstehen
dieses neun Gemeindegefühls
und der breiten Partizipation ist etwas Kostbares. Es ist eine
seltsame Frucht der bedauerlich vielen priesterlosen
Gottesdienste.
Eine weitere Zuspitzung der
Ämterfrage
zeigte sich für
die Jungen Kirchen um die
Zeit der
Bischofssynode 1971. Damals hat es die Kirche erstmals gewagt
zum Nachdenken einzuladen
über
die Amtsfrage. Auf der ganzen Welt wurde nun zur Diskussion der
Frage eingeladen: Wäre
es etwa möglich,
nebenberufliche,
verheiratete, bewährte
Leute aus der Gemeinde zu Priestern zu weihen?
Sogenannte "viri probati"?
Überall
in der Welt wurden damals als Vorbereitung auf jene
Bischofssynode Tagungen und Diskussionen abgehalten
über
diese Frage. Auch die Bischofskonferenzen Ostafrikas, in der
sogenannten AMECEA Region, hielten damals eine solche
Studienkonferenz
über
die Zukunft des kirchlichen Amtes, in
Lusaka. Bei diesem AMECEA
Vorbereitungstreffen in Lusaka hielt Erzbischof Mihayo
einen Vortrag und sagte
dabei: "wir können
uns finanziell gar nicht leisten, mehr Priester der heutigen Art
zu haben" Diese Bemerkung von Erzbischof Mihayo hat
damals keine
weitere Beachtung gefunden. Niemand hat bemerkt dass hier etwas
sehr wichtiges gesagt wurde. Wir können
die Form des Amtes die sich in Europa herausgebildet hat, schon
aus finanziellen Gründen
gar nicht nachahmen. Jede Gemeinde ihren Pfarrer? Das geht gar
nicht, selbst wenn es genügend
Berufe dafür
gäbe.
Warum hat man
diese Überlegung
über
die finanzielle Unmöglichkeit
nicht weiter verfolgt? Ich vermute es lag daran dass man sofort
daran dachte dass man damit eine sehr heikle Frage aufwerfen würde.
Eine Gefährdung
der Ganzhingabe der
jetzigen Priester könnte
entstehen. Alle spürten:
hier nähern
wir uns einem heiklen Thema und deshalb sind wir lieber still.
Das Seltsame
dieses Schweigens war besonders bei den Kontinentalsynoden
sichtbar. Denn genau jene Jungen Kirchen die am meisten unter
dem Fehlen der
Sonntagseucharistie litten, und genau jene Jungen Kirchen die
ursprünglich
als Erste
die Behandlung dieses Themas vorgeschlagen hatten, wie etwa
Lateinamerika, sagten nun
bei diesen Kontinentalsynoden kein Wort mehr
über
dieses Problem. Und
das obwohl diese
Kontinentalsynoden doch eigens deshalb einberufen worden
waren um auf die
spezifische Situation jedes einzelnen Kontinentes hinzuweisen.
Angst vor der Amtsfrage - und Hoffnung
Wir müssen
Verständnis
haben für
die große
Angst, sich mit diesem Thema zu beschäftigen.
Das Thema kann in der Tat auf schädliche
Weise behandelt werden. Es
besteht in der Tat die Gefahr dass man ein Problem lösen
will und dabei mehrere andere Probleme hervorruft. Es gibt viele
Gründe
für
die Angst sich mit dieser Frage
zu beschäftigen.
Unter diesen vielen Arten von Angst ist die entscheidende
vermutlich die, dass eine Veränderung
der Zulassungsbedingungen zum priesterlichen Amt die bestehenden
Priester verunsichert. Die Kernfrage lautet also: Gibt es einen
Weg, diese Gefährdung
zu vermeiden?
Eine solche Gefährdung
kommt vor allem daher dass durch die Weihe von
verheirateten Kandidaten
die gleiche Rolle des priesterlichen Amtes nach ungleichen
Vorbedingungen ausgeübt
wird. Eine Verunsicherung scheint unvermeidlich wenn man für
die gleiche Rolle von einigen sehr hohe Voraussetzungen verlangt
und von anderen viel niedrigere. Also kann die Lösung
dieses Problems nur darin bestehen dass nicht die gleiche Rolle
ausgeübt
wird, dass man also eine neu, verschiedene Art priesterlicher
Rolle schafft. Das eine Sakrament der Priesterweihe muss zu zwei
verschiedenen priesterlichen Rollenformen führen.
Dann wird es logisch sein dass auch die Zulassungsbedingungen
verschieden sind, und eine Gefährdung
der jetzigen Priester entsteht dann nicht. Die Frage ist also,
ob eine neü
priesterliche Rolle entstehen könnte,
für
die es sinnvoll ist, sein ganzes Leben einzusetzen. Ist eine
solche neü
Rolle denkbar? Gibt es sie schon?
Genau zu dieser Frage scheint sich in den Jungen Kirchen eine
Antwort
abzuzeichnen.
Kreise von Gemeindeältesten
als mögliche
Lösung
In den Kirchen des
Südens
hat sich seit dem Zweiten Vatikanum spontan, also
ungeplant, eine neu Form
des Gemeindelebens herausgebildet. Diese neu Form des
Gemeindelebens ist bekannt unter dem Ausdruck der
"self-ministering
community". Der englische Ausdruck für
das Amt ist "ministry", oder genauer "the ordained ministry".
Mit dem Ausdruck "self-ministering community" verbindet man
also die
beiden Grundbegriffe Amt und Gemeinde. Man sagt damit dass die
Gemeinde selbst einen großen
Teil des Amtes ausübt.
Früher
war so etwas nicht
denkbar. Noch ein
paar Jahrzehnte früher
hatten Bischöfe
und Theologen sich deshalb strikt von diesem Ausdruck
distanziert als er in China zuerst verwendet
wurde, denn sie haben es für
unkatholisch gehalten, das Wort "ministry" mit dem
Wort "self" zu verbinden. "Ministry" kann nicht "self-ministry"
sein, denn "ministry"
muss notwendig von
außen
zur Gemeinde kommen, ministry wird nicht von der
Gemeinde selbst geleistet.
Gleich nach dem Zweiten Vatikanum sahen die Pfarrer und Bischöfe
des Südens
das
anders. Sie sagten nun: "Jetzt sehen wir diesen Ausdruck
"self-ministering
community" als
zutreffend an. "Self-ministering community", dieser Ausdruck
rechtfertigt und erklärt
etwas was wir schon lange tun, nämlich
Gemeinden aufzubauen die keinen residierenden Pfarrer haben.
Bischöfe
und Bischofskonferenzen verwenden diesen Ausdruck heute immer
und immer wieder mit Freude
und
Überzeugung.
Jedenfalls haben
die Gemeinden des Südens
dieses Motto mit Begeisterung aufgegriffen. Es gab eine
Explosion von Laien-Diensten. Den Gemeinden war ohnehin klar
dass sie nie einen bei ihnen residierenden Pfarrer hatten und
auch nie haben werden. Nun
aber, wenn dies das Motto ist, dann sind sie nicht mehr in einem
bedauerlichen Zustand der Unterentwicklung sondern sie
sind auf dem richtigen Weg. So kommt es dass zehn oder zwanzig
Gemeinden ohne jede Klage ein Netzwerk bilden um einen
gemeinsamen Priester. Für
vier Wochen leben sie ihr
Eigenleben und dann kommt wieder ein Besuch des Priesters.
Noch eine zweite Entwicklung ging Hand in Hand damit,
wiederum spontan und ohne Planung entstanden, dass nämlich
auch die Priester eines solchen
Gemeindeverbandes
ihre Rolle verändern.
Die Priester sind nun nicht mehr im gleichen Sinn Pfarrer wie es
der Versorger-Pfarrer war. Der Priester ist jetzt der
Ausbilder für
die vielen hunderte von Laien-Leitern in diesem Netzwerk von
Gemeinden. Er ist der geistliche Motor, der Spiritual dieses
weit gespannten Leitungsgefüges.
Denn die Ausbildung dieser vielen Leitungsgruppen kann in vielen
Gegenden schon aus
technischen Gründen
nicht (oder nicht nur) in einem zentralen,
diözesanen
Ausbildungszentrum stattfinden. So ein Zentrum wäre
für
viele unerreichbar. Oft sah man
überdies
ein, dass ein Ausbildungszentrum auch Nachteile hat. Denn es
entstehen Spannungen zwischen dem was der Ortspfarrer sagt und
dem was am Zentrum gelehrt wird. Es ist weiterhin eine Tatsache,
dass sich der Pfarrer viel
intensiver für
die Durchführung
dessen einsetzt für
was er selbst die Leute ausgebildet hat. Aber noch viel mehr und
viel wichtiger: der Pfarrer wächst
in eine neu
Rolle hinein, in die Rolle des Ausbilder-Priesters. Dieser
Unterschied ist für
unsere Überlungen
über
neu Formen des Amtes entscheidend.
Der Ausbilder-Priester ist auf vielerlei Weise verschieden
vom Versorger-Priester.
Seine Grundhaltung
ist anders. Er will unbedingt viele Charismen entdecken. Er
möchte
dass sie so kompetent werden wie möglich.
Man wird von ihm kaum die
resignierende Bemerkung hören,
man könne
sich auf die Laien nicht verlassen. Er ist
durch und durch
ein Befähiger,
er befähigt
andere für
ihr Amt. Er ist ein Mann der Erwachsenen. Er verbringt seine
Zeit am Liebsten mit den Erwachsenen, und zwar mit den
begabtesten und kräftigsten
Charakteren der Gemeinde. Er spürt
darüber
hinaus dass er selbst Weiterbildung braucht, wenn er andere
weiterbilden will. Er ist an geistlicher Vertiefung der
leitenden Leute interessiert. Er ist ein Spiritual. Man
könnte
schätzen,
dass etwa zwei Drittel der heutigen Priester in der Lage sind,
diese neü
Rolle des Ausbilder-Priesters auszuüben.
Was ich eben beschrieben habe ist nicht ein theoretisches
Wunschbild. Es existiert.
Es gibt die "self-ministering
communities" und es gibt die Ausbilder-Priester. Das
Erscheinen dieser beiden neün
Entwicklungen - die self-ministering community und
der Ausbilder-Priester - sehe ich als einen Hinweis an dass es
einen Ausweg aus
dem Priestermangel gibt, einen Ausweg der keine Gefährdung
der bestehenden
Priester bedeutet.
Der Ausweg besteht darin, dass man nicht eine Ersatzperson sucht
für
den hier und
da fehlenden
Priester, sondern dass man in jeder Gemeinde einen Kreis von
Gemeindeältesten
ordiniert. Dann entstehen nämlich
zwei sehr verschiedene priesterliche Rollen die nicht
miteinander konkurrieren sondern die wie Partner
aufeinander angewiesen
sind. Die Partner sind sehr verschieden, und es ist gut dass
sie verschieden sind.
Wie sind diese zwei Arten von Priestern verschieden? Die einen
sind sehr zahlreich,
die anderen
selten. Die Gemeindeältesten
tun ihren Dienst nebenberuflich, die Priester tun ihn
hauptamtlich. Die einen werden durch Abendkurse ausgebildet, die
anderen durch jahrelange
Formung und Studium. Die Gemeindeältesten
sind nur für
diese eine
Gemeinde ordiniert aus der sie stammen, die Priester haben
Jurisdiktion für
alle Gemeinden der Diözese
und können
überallhin
versetzt werden. Die einen sind in in ihrer Gemeinde verankert,
die anderen in der Diözese
und ihrem Bischof. Die einen sind ganz in der Welt des Alltags
zuhause, die anderen sind
gewissermaßen
aus der Welt herausgenommen.
Gehen wir zunächst
näher
auf den zahlenmäßigen
Unterschied ein. Die Ausbilder-Priester
sind selten. Ein Netzwerk von zwanzig oder dreißig
Gemeinden hat zwei oder drei Priester. Man hätte
aber dann in der gleichen Gegend ein hundert oder
zwei hundert ordinierte
Gemeindeälteste.
Dieses Zahlenverhältnis
scheint zunächst
unwichtig zu sein. Die Praxis beweist jedoch dass das Zahlenverhältnis
wesentlich ist. Es sollte 20:1 oder 100:1 sein, jedenfalls weit
höher
als nur 1:1.
Hier können
wir von anderen Kirchen lernen. Wenn das Zahlenverhältnis
zwischen nebenberuflichen
Priestern und hauptamtlichen bei 1:1 bleibt, dann entsteht keine
neu Rolle. Es entsteht kein partnerschaftliches Verhältnis
zwischen Verschiedenen,
sondern ein nachbarliches, zwischen Gleichen. In einem Ort gibt
es dann noch einen hauptamtlichen Pastor, im nächsten
Ort "nur" einen nebenberuflichen. Es entsteht dann
Unzufriedenheit unter den Gemeinden, weil sie eigentlich nicht
einen nebenberuflichen
Pastor haben möchten
sondern einen "richtigen". Es entsteht auch
Unzufriedenheit
unter den hauptamtlichen Pastoren weil sie sehen wie diese neuen
nebenberuflichen ohne lange Ausbildung so ungefähr
das Gleiche tun können
wie sie selber nach langer Ausbildung. Diese Probleme entstehen,
weil zu wenig Unterschied
besteht zwischen den beiden Arten.
Die Frage ob zwischen den hauptamtlichen und den
nebenberuflichen Pastoren ein
großer
Unterschied gemacht werden sollte oder nicht, ist eine nicht zu
unterschätzende
Frage. Wir Katholiken haben darin noch keine konkrete Erfahrung
aber wir können
beobachten was in anderen Kirchen und kirchlichen
Gemeinschaften geschieht.
Dort hat man oft gemeint man müsse
die Gemeinden gewissermaßen
trösten,
indem man
ihnen nebenberufliche Priester gibt die den hauptamtlichen so
ähnlich
sind als möglich.
Es hat sich als nachteilig erwiesen. Die nebenberuflichen werden
immer als
eine Art nicht ganz gelungener Nachahmung erscheinen. Aus all
diesen Gründen
ist deshalb viel besser, nicht von einer tröstenden
Nachahmung zu reden, sondern die
Idee der Gemeindeältesten
als eine neues Ziel vorzustellen. Es geht um eine neu Art
von Gemeindeleben,
eine neü
Zielvorstellung. Dann werden Gemeinden sagen:
"Unsere Gemeinde hat dieses Ziel erreicht. Unsere Gemeinde hat
es geschafft,
einen Kreis von Gemeindeältesten
zu haben".
Für
die Entscheidungsfindung der Gesamtkirche ist der entscheidende
Punkt, dass durch diese große
Verschiedenheit eine neu Rolle entsteht für
den Priester der
Ganzhingabe und dass in dieser neuen Rolle seine Lebenshingabe
weiterhin sinnvoll ist. Nehmen wir ein konkretes
Beispiel, nicht ein theoretisches sondern ein reales Beispiel
das dem Durchschnitt der Pfarreien des Südens
entspricht. Die Zahlen die ich jetzt nenne mögen
hier in Europa unreal erscheinen, aber es sind die tatsächlichen
Zahlen der durchschnittlichen Pfarrei. In einer solchen Pfarrei
leiten drei Priester ein Netzwerk von 50 Gemeinden, jede mit
einem Leitungsgremium von etwa zehn Männern
und Frauen aus der Gemeinde, also 50 mal Zehn, etwa 500 leitende
Laien. Die drei Priester bilden seit Jahren diese 500 leitenden
Laien dieser Gemeinden aus. Sie versuchen auf vielerlei Weisen
die Kompetenz und die Spiritualität
dieser 500 leitenden Männer
und Frauen zu vertiefen. Sie
übertragen
ihnen so viel Verantwortung als nur irgend möglich.
Nehmen wir nun an dass eines Tages die Genehmigung erteilt wird
dass örtliche
bewährte
Leitungspersonen die Priesterweihe empfangen können.
Dann würden
in einem solchen Netzwerk Pfarrei aus den fünf
hundert etwa ein hundert ordiniert. Unsere Frage lautet dann:
Wie wird das auf die drei Ausbilder-Priester wirken? Die Antwort
kann nur lauten: Sie werden keineswegs sagen sie würden
nun nicht mehr gebraucht. Im Gegenteil, sie werden wissen dass
sie nun noch mehr gebraucht werden. Sie werden auch selber daran
interessiert sein dass diese hundert ordinierten Gemeindeältesten
ihren neuen Dienst immer besser tun, also dauernde Weiterbildung
erhalten. Sie werden ebenso
versuchen noch weitere Kandidaten auf diesen Dienst
vorzubereiten. Die Ordination dieser hundert Gemeindeältesten
wird also jedenfalls keine Verunsicherung der zwei
oder drei Priester
bedeuten. Der Hauptgrund dafür
ist die neue Rolle, die die
Ausbilder-Priester ausüben.
Bleiben wir bei
diesem Beispiel, denn die Frage ob die existierenden Priester
durch solche Ordinationen gefährdet
werden oder nicht, ist die Schlüsselfrage.
Bedenken wir jetzt den umgekehrten Fall, der in Wirklichkeit
kaum existiert. In diesem zweiten
imaginären
Fall würden
die gleichen fünfzig
Gemeinden ebenfalls sehr aktiv werden,
und dort würden
ebenfalls 500 leitende Männer
und Frauen die Wortgottesdienste halten und die 50 Gemeinden
leiten. Nehmen wir aber nun an dass diese 500 Laien-Leiter
in diesem Fall nicht von ihren drei Priestern ausgebildet worden
sind und ganz unabhängig
von diesen drei Priestern ihren Leitungsdienst ausüben.
Wenn in einer solchen Pfarrei ein hundert jener bewährten,
ausgebildeten Leute ordiniert würden,
wie würden
sich in diesem zweiten Fall die drei Priester fühlen?
Sie müssten
sich überflüssig
vorkommen. Sie würden
diese Entwicklung nicht begrüßen.
Sie würden
sich entwertet fühlen.
Denn sie würden
sagen: was wir unter großen
Opfern getan haben das dürfen
nun andere auf viel leichtere Weise tun. Unser Opfer war
sinnlos!
Dieses zweite Beispiel ist ein rein theoretisches. In den
Pfarreien des Südens
kommt es
praktisch nie vor. Wie sollten die 500 leitenden Leute auf
andere Weise ausgebildet
werden, ohne die drei Priester? Wir haben diesen theoretischen
Fall jetzt nur erwähnt
um ganz klar zu machen dass die Ausbilder-Rolle des Priesters
ein entscheidender Punkt ist
und - das muss betont werden - dass diese Rolle bereits
existiert. Diese Rolle wird
bereits seit ein paar Jahrzehnten tatsächlich
ausgeübt.
Es ist im
Grossteil der Pfarreien des Südens
nicht Theorie sondern Tatsache. Wo das
der Fall ist, dort soll man
deshalb die Einführung
von Kreisen von Gemeindeältesten
nicht als eine Gefahr ansehen für
die bestehenden Priester.
Nun zur Frage
warum es sich jeweils um einen Kreis von leitenden Leuten
handeln muss in einer
Gemeinde, nicht um die Ordination einer einzelnen Person. Dafür
gibt es
mehrere Gründe.
Dieser Aspekt ist ein Ergebnis der Erfahrungen die man in
vielen Jahren in den Jungen
Kirchen gemacht hat. Es geht vor allem um die Bildung von
Gemeindebewusstsein. Wenn man gemeinsame Verantwortung erreichen
will, dann wird man die Verantwortung so weit streuen als möglich.
Manche fürchten
zunächst,
diese weite Streuung der Verantwortung, diese Bildung von Teams,
würde
zu
Spaltungen führen
oder zu mehr Streit. Aber auch wenn man die Dienste an
Einzelne vergibt, gibt es
ebenfalls Spannungen. Denn ein Einzelner war früher
allen anderen gleich und nun trägt
er auf einmal als Einzelner die alleinige Verantwortung.
Spannungen wird es immer geben, aber sie werden verringert wenn
mehrere wissen dass sie auf einander angewiesen sind, dass sie
sich abwechseln müssen,
dass sie
gemeinsam die Probleme lösen
müssen.
Die Erfahrung hat gelehrt: wenn
nebenberuflich, dann nur
ein Kreis, nicht eine einzelne Person.
Das Nein zu Einzel-Ordinationen hat auch mit den bestehenden
Priestern zu tun. Bei Einzel-Ordinationen wird es den
hauptamtlichen Priestern kaum gelingen auf die
Dauer ihre
Ausbilder-Rolle zu entwickeln. Die Erfahrung zeigt: Ausbildung
von Einzelnen bleibt
stecken, wird keine Dauereinrichtung sondern verflüchtigt
sich. Die
Praxis sagt uns: wo immer Einzelne als "Ersatz" arbeiten, liegt
die Ausbildung irgendwo
anders. Sie geht am Ortspriester vorbei. Die neue
Ausbilder-Rolle entsteht nicht. Es entstehen vielmehr
Nachbarn im gleichen Amt. Einzel-Ordinationen sind
nachteilig für
alle.
Man muss bei
dieser Frage nach Einzelordinationen auch an die Folgen für
die Gemeinde denken. Im
Fall von Einzel-Ordinationen liegt die ganze Veränderung
bei jener
einzelnen Person die ordiniert werden soll. Jene Einzelperson
ist gefordert, nicht die Gemeinde. Die Gemeinde kann so passiv
bleiben wie bisher. Sie wurde
früher
vom zölibatären
Priester versorgt und nun - etwas weniger intensiv - von
jenem Einzelnen. Ganz anders bei der Bildung von Kreisen von
Gemeindeältesten.
So ein
Kreis entsteht nur wenn vorher ein viel größerer
Kreis von vielen aktiven Leuten da war. Ohne Gemeindebildung
geht das nicht. Ein Kreis von Gemeindeältesten
setzt Jahre von Gemeindebildung und Mitarbeiterschulung voraus.
Die Bildung eines solchen Kreises
überwindet
nicht nur die Seltenheit der
Sakramente sondern
überwindet
auch die Versorgungsmentalität
der Gemeinde.
Nun zur Terminologie. Sie haben sich vermutlich gewundert warum
ich immer den
Ausdruck "Gemeindeälteste"
verwendet habe. Ich habe selbst früher
andere Ausdrücke
verwendet, wie "Viri Probati", "Gemeindepriester",
"Leutepriester", "Teilzeitpriester", "Korinthpriester". Ich habe
dann nachgeforscht welche Erfahrung
andere Kirchen
gemacht haben, die ja bereits in großer
Zahl nebenberufliche
Geistliche haben. Dabei fiel mir auf wie nachteilig es ist,
einen Ausdruck zu wählen
der das
Wort "Priester" enthält,
wie "Teilzeitpriester" etc. Natürlich
wollen wir eine Form des priesterlichen Amtes. Wir wollen
Priester. Aber diese Nebenberuflichen "Priester" zu benennen,
ist nicht ratsam. Ein solches Kombinationswort wie
"Teilzeitpriester" oder
"Gemeindepriester" wird immer den Beigeschmack eines
"Ersatzes" behalten. Die Leute werden sagen: "Früher
hatten wir einen richtigen
Priester, heute haben wir nur mehr einen Teilzeitpriester".
Es steckt noch mehr in dieser Suche nach einem neuen Wort: Wir
wollen ja gar nicht sagen dass wir die bisherige Rolle des
Pfarrers kopieren wollen. Wir wollen gar nicht
sagen dass wir
eine Ausdünnung,
eine künstliche
Verlängerung
der bestehenden
Amtsform suchen.
Wir wollen vielmehr sagen dass wir eine genuin neu Form des
Amtes und eine neu Form der
Gemeinde aufbauen wollen. Deshalb brauchen wir ein neues Wort
dafür,
ein Wort das nicht an das Wort "Priester" angelehnt ist.
Es geht um viel mehr als um einen Notbehelf
Bei diesen
Überlegungen
wurde schon deutlich dass es um viel mehr geht als nur um die
Überwindung
des Priestermangels.
Es entsteht z.B.
ein weit höheres
Maß
von Gemeinsamkeit in der Kirche. Wenn
Kreise von Gemeindeältesten
entstehen dann gibt es keine zwei Blöcke
mehr in der Kirche, von "Laien" auf der einen Seite und
"Klerikern" auf der anderen. Die beiden Begriffe "Laien" und
"Kleriker" werden ganz einfach außer
Gebrauch kommen. Man braucht sie gar nicht abschaffen. Sie
werden einfach unpassend werden. Denn wenn
man dann fragt ob
diese Gemeindeältesten
Laien seien oder Kleriker, dann fällt
die Antwort schwer. Keines der beiden Worte passt für
diese Gemeindeältesten.
Die Idee eines separaten
Standes der Kleriker wird unreal werden und man wird einfach
aufhören
im alltäglichen
Sprachgebrauch die beiden Worte zu gebrauchen.
Es geht tatsächlich
um viel mehr als um einen Notbehelf. Es wird viele Folgen haben
wenn auf diese Weise ein nicht-klerikales Amt entsteht. Wie oft
haben wir unter allen
Formen von
Klerikalismus gelitten und wie oft schon haben wir davon geträumt
den Klerikalismus zu vermeiden oder zu
überwinden.
Durch bessere Ausbildung der
Priester, durch
Aufforderung zu Bescheidenheit, durch weniger auffallende
Kleidung usw. Was
hier vorgeschlagen wird ist ein ganz anderer Weg: das Monopol
überwinden.
Denken wir kurz zurück
an das oben genannte Beispiel eines
Netzwerkes von fünfzig
Gemeinden, in denen ein hundert die Priesterweihe erhalten
haben,
nicht nur die drei. Das Monopol ist dann vorbei, und damit eine
Hauptwurzel des
Klerikalismus.
Ein weiterer Schritt wird auf diese Weise getan. Die Trennung in
Weltdienst und Amt wird
überwunden.
Bisher litten wir oft unter dem Diktum "Der Weltdienst ist den
Laien
eigen". Wenn man in Zukunft an den meisten Sonntagen Leute am
Altar sieht die ebenso im Beruf stehen wie alle anderen, dann
entfällt
diese Trennung. Es ist dann
klar sichtbar dass Weltdienst die Sache aller ist.
Bei der Entscheidung für
oder gegen die Einführung
dieser neuen Form des Amtes
geht es also
eigentlich um die viel größere
Frage nach dem Erscheinungsbild des
Glaubens.
Wann sind Gemeinden bereit
für
die Einführung
von Kreisen von Gemeindeältesten?
Wir müssen
uns jetzt der Frage zuwenden, unter welchen Voraussetzungen
dieses Zielmodell durchführbar
ist.
Es ist völlig
klar, dass nicht jede Diözese
und nicht jede Gemeinde die
Vorbedingungen dafür
erfüllt.
Vor der Bildung eines Kreises von Gemeindeältesten
müssen
vorhanden sein:
"Sich selbst tragende Gemeinden",
Ausbilder-Priester,
Nicht-endende Weiterbildung,
Stützung
durch die Diözesanleitung.
Diese Liste von Vorbedingungen wird sehr unterschiedliche
Reaktionen hervorrufen.
Einige werden
sagen, das seien völlig
unrealistische Erwartungen, andere werden sagen das hätten
sie schon lange erreicht. Wenn man statistisch zeigen könnte
ein wie großer
Teil der Weltkirche zu diesen beiden Reaktionen gehört,
dann würde
man sehen dass etwa die Hälfte
der Gesamtkirche diese Bedingungen bereits erfüllt
oder nahe
daran ist sie zu erfüllen.
Die Diözesen
des Nordens würden
vermutlich mehr dazu neigen diese Vorbedingungen als
unrealistisch anzusehen. Woher kommt
dieser Kontrast?
Es ist nicht ein
Unterschied in der theologischen Grundrichtung sondern ein
Unterschied in der
Ausgangsposition. In den Diözesen
des Nordens steht seit uralter
Zeit neben jeder
Kirche ein Pfarrhaus. In den Diözesen
des Südens
dagegen stand neben dem Kirchengebäude
noch nie ein Pfarrhaus, gab es noch nie an jedem Ort einen
residierenden Pfarrer. Die Gemeinden waren schon immer ein
Netzwerk aus sich selbst
tragenden Gemeinden.
Dieser Unterschied verringert sich jedoch weil heute auch die
priesterlosen
Gemeinden des Nordens anfangen, sich zu einem Netzwerk zusammen
zu
schließen.
Auch der
Unterschied an Mobilität
und Anonymität
muss gesehen werden. Im hoch industrialisierten Norden gibt es
viele Situationen wo der Grad der Anonymität
und der Mobilität
so hoch ist dass eine Gemeinschaftsbildung kaum möglich
ist. Allerdings sind
Situationen dieser Art zwar häufig
aber nicht die Regel, vielleicht nicht
einmal die
Mehrheit. Der Unterschied zwischen Nord und Süd
ist enorm, aber nicht total. Auch in den Diözesen
des Nordens formulierte man als Ziel: "Die Gemeinde
darf sich nicht versorgen
lassen"
Was, also wäre
zu tun? Was könnte
der erste Schritt sein?
Erste Schritte sind
überall
möglich
und sind
überall
nötig
In den letzten Jahren meinten wir alle, der erste Schritt könne
nur eine Entscheidung
der Bischofssynode
mit dem Papst sein. Das wurde auch bei der letzten
Bischofssynode wiederum
versucht und es ist wiederum gescheitert. Meine eigene
Meinung hat sich geändert.
Ich sehe jetzt ein, dass es einfach unmöglich
ist, in dieser Sache eine Entscheidung der Bischofssynode zu
erreichen. Die
Ausgangssituationen sind zu verschieden, die Angst ist zu groß
dass man durch eine
solche
Entscheidung die wenigen Priesterberufe noch weiter gefährdet.
Die beiden Standpunkte blockieren sich gegenseitig, noch bevor
sie Gelegenheit haben ihre
Vorschläge
klar zu machen.
Es scheint, dass
wir in dieser Situation nicht eine generelle Entscheidung der
Gesamtkirche brauchen,
sondern einige Erstlingsprojekte. Ein paar Diözesen
die gut
darauf vorbereitet sind, drei, vier, fünf,
irgendwo auf der Welt, sollten um die Genehmigung ersuchen in
einem begrenzten Teil ihrer Pfarreien, auf klar definierte
Weise, Kreisen von Gemeindeältesten
das Sakrament der Priesterweihe zu
spenden.
Bei solchen
Erstlingsprojekten besteht ihrer Natur nach nicht die sonst
immer berufene Gefahr der lawinenartigen Ausuferung. Eine gefährliche
Ausuferung ist nur bei der anderen Option wahrscheinlich, bei
der Ordination von hauptamtlichen verheirateten Kandidaten. Der
Unterschied besteht darin, dass bei unserem Vorschlag die Veränderung
bei den Gemeinden liegt, nicht nur bei den Kandidaten.
Gemeinden
ändern
sich nicht in Monaten sondern in Jahren. Eine Lawinenartige,
plötzliche
Ausuferung ist bei dem vorgeschlagenen Gemeinde-Weg nicht zu
befürchten.
Erste Schritte sind
überall
möglich.
Für
einige Diözesen
bestünde
die Aufgabe also darin zu
überlegen,
ob sie bereits genügend
darauf vorbereitet sind einen Antrag zu
stellen auf solche Erstlingsprojekte. Die Aufgabe der vielen
anderen Diözesen
bestünde
in entfernter Vorbereitung, also in Gemeinschaftsbildung,
Mitarbeiterschulung, und in der Entwicklung des
Ausbilder-Priesters. Erste Schritte
sind
überall
möglich.
Trotzdem werden sich viele unwillkürlich
überlegen
ob es nicht einen einfacheren Weg geben könnte.
Im Norden wie im Süden
stehen wir tatsächlich
vor der Wahl zwischen einem leichteren Weg und einem
schwierigeren.
Im Norden wie im Süden:
Die Wahl zwischen einem leichteren Weg und einem schwierigeren
In Europa ist es
kein Geheimnis, was man sich unter einem einfacheren Weg
vorstellt. Sehr viele fordern, dass man einfach die
Zulassungsbedingungen zum
Priestertum
ändern
solle, also einfach die Zölibatsverpflichtung
optional machen. Das
heißt:
das Gesetzbuch
ändern
- und alles andere lassen wie es ist. Was sich verändert,
ist lediglich das Gesetzbuch, und die passiven Gemeinden bleiben
so passiv wie sie sind. Wir ordinieren einige Hauptamtliche und
jede Gemeinde hat wieder
ihren Pfarrer wie es immer war.
Im Süden
kommt diese "einfachere" Lösung
ohnehin nicht in Frage, aus finanziellen
Gründen.
Aber auch die Jungen Kirchen stehen vor der Wahl zwischen einer
schwierigeren und einer
leichteren Lösung;
und diese leichtere Lösung
heißt
für
sie: lieber die Sonntagseucharistie seltener werden lassen.
Sie in
Österreich
sind vermutlich nicht mit dieser "einfacheren Lösung"
vertraut die sich insgeheim
im Süden
einschleicht. In Veröffentlichungen
ist sie nur sehr selten zu
finden weil
jedermann weiß
dass sie theologisch unvertretbar ist (ich kenne nur eine
einzige solche Veröffentlichung2).
Aber in Gesprächen
mit Theologen und Bischöfen
2
Erzbischof Mihayo bei der oben genannten AMECEA Konferenz in
Lusaka.
Cf. The Priest in Africa
Today. AMECEA Study Conference record, AMECEA Secretariate,
Nairobi 1970, 27
ist sie tatsächlich
zu hören:
"Warum sollten wir die endlich erreichte Form eines
einheimischen zölibatären
Priestertums
ändern
um die regelmäßige
Sonntagseucharistie zu gewährleisten?
Wir sollten uns stattdessen fragen ob wir
wirklich unbedingt jeden
Sonntag Eucharistie feiern müssen.
Übertreiben
wir nicht die Notwendigkeit, jeden Sonntag Eucharistie zu
feiern? Auch die Heilige Familie
ging nur einmal im Jahr hinauf nach Jerusalem..." - so kann man
es manchmal hören.
Auch für
die Jungen Kirchen gibt es also diese Wahl zwischen einem
leichteren Ausweg und einem schwierigeren.
Die Gemeinden des
Nordens werden sich immer wieder fragen, ob Kreise von
Gemeindeältesten
hier realistisch möglich
sind. Wie könnte
so etwas im Norden aussehen?
Sind vielleicht
die kleinen Pfarrverbände
von drei Pfarreien mit einem Priester ein Ausgangspunkt? Man
muss einsehen, meine ich, dass dieser Ausgangspunkt zu klein
ist. Innerhalb von nur drei Gemeinden kann sich der Priester
nicht leicht lösen
von der Rolle des Versorgers. Er kann die Rolle des
Ausbilder-Priesters nicht auf
überzeugende
Weise entwickeln. Man braucht dafür
eine breitere Basis und das würde
heißen
es müssten
sich einige benachbarte Pfarrverbände
von je drei Gemeinden zusammen tun damit der entscheidende Punkt
verwirklicht werden kann - dass zwei neu, verschiedene Formen
des Amtes entstehen. Einige benachbarte Pfarrverbände,
also zehn oder zwanzig benachbarte Gemeinden, gemeinsam mit
ihren drei Pfarrern, müssten
sich zusammen tun. Die drei Pfarrer würden
in der Mitte
der zwanzig
Pfarreien ein Geistliches Zentrum einrichten und von dort aus
die Rolle der
Ausbilder-Priester
übernehmen,
werden "Spirituale" sein für
die vielen Kreise von
Gemeindeältesten.
Solche Geistliche Zentren könnten
auch der Einsatzort sein für
Laientheologen und für
Ordensschwestern.
Wir haben einen
Vorschlag besprochen, der nicht für
alle Teile der Kirche sofort
passend ist. Er ist jedoch
für
den weitaus größten
Teil der Kirche sofort passend, für
die Hälfte
oder für
das Zweidrittel der Kirche. Für
diesen großen
Teil der Kirche
handelt es sich auch nicht um etwas völlig
Neues sondern um die Vervollständigung
einer Entwicklung die schon lange im Gang ist.
Abschließend
sollten wir uns bewusst werden, dass wir uns an einer Art
Wendepunkt
befinden. All die Jahrhunderte bis jetzt konnte man dem
Zweidrittel der Kirche, den Jungen Kirchen, immer sagen: "wir
wissen von euerer Not; wir wissen dass euer Gemeindeleben
unvollständig
ist; aber die Zeit wird kommen wo auch ihr so sein werdet wie
die voll entwickelten Kirchen Europas". Jetzt ist ein Zeitpunkt
gekommen wo man das nicht mehr sagen kann. Die missionierenden
Kirchen Europas sagen heute etwas anderes. Sie sagen: "Wir haben
die Formen des Gemeindelebens von denen vor uns erhalten, wir
haben sie für
Jahrhunderte selbst gelebt, wir haben sie an euch im Süden
weiter gegeben, wir haben sie euch streng vorgeschrieben, wir
haben gesagt ihr solltet geduldig warten bis ihr diese Formen
eines Tages so leben könnt
wie wir - aber heute können
auch wir in den Kirchen des Nordens diese
Formen des Gemeindelebens
nicht mehr aufrecht erhalten. Lasst uns gemeinsam
suchen wie das Amt der
Kirche heute gestaltet werden soll".
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