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Weihbischof Helmut Krätzl regt Reformen an
Eine Kirche; die Zukunft hat (Innsbruck 2007)
Die
römisch-katholische Kirche steht vor wachsenden Problemen. In
der pluralistischen Gesellschaft ist ihr Einfluss gesunken. Die
Kirchenaustritte sind gestiegen, die Zahl der praktizierenden
Katholiken nimmt ständig ab. Der Priestermangel wird bedrohlich.
Die Ökumene scheint zu stocken. Immer häufiger sieht sich die
Kirche mit Wertvollstellungen in Gesellschaft und Politik
konfrontiert, die ihrer Lehre widersprechen. Lösungen für diese
Probleme werden gesucht und vielfach diskutiert. Weil es aber zu
keiner einheitlichen Meinung kommt, schiebt man sie seit Jahren
vor sich her. Das lähmt das Leben der Kirche und mindert die
Begeisterung für sie. Was die Zukunft bringt überlässt man
lieber Gott, anstatt aufmerksam nach seinen Zeichen zu forschen,
die schon Lösungsmöglichkeiten andeuten. Weihbischof Helmut
Krätzl legt anlässlich seines dreißigjährigen Bischofjubiläums
ein Buch vor, in dem er ausgewogen argumentierend mögliche Wege
aus den Krisensituationen aufzeigt. Er wählt dazu die Form von
Essays, die keine wissenschaftliche Erörterung erwarten lassen,
sondern Versuche sind, sich den Fragen zu nähern. Aus den 12
Essays spricht die reiche Erfahrung des Autors als Seelsorger
und Bischof und seine Verantwortlichkeit und große Liebe der
Gesamtkirche gegenüber. Das Buch ist ein überzeugendes Plädoyer
für sie Suche nach neuen Lösungen und für eine Kirche, wie sie
in Zukunft sein kann.
Im Kapitel über
den Priestermangel schildert er folgende kuriose Situation: In
einer Tiroler Pfarrei scheidet der Kaplan durch Heirat aus. Als
Vertretung kommt ein uniert-orthodoxer verheirateter Kaplan. Er
regt an, den Gedanken von Zulehner von verheiraten Leutpriestern
aufzugreifen.
Paul M. Zulehner
spricht von Leutpriestern
Er
schreibt: „... Raumgerechte Seelsorge
Lokale gläubige Netzwerke
Ein Paket kirchlicher Aufgaben
erweist sich als sehr „bodennah“, „lokal“, kleinräumig. Dazu
gehören all jene Vorgänge, die nahe an Einzelgeschichten und
Familien dran sind: Riten zu den Lebenswenden und die dort
angesiedelten sakramentalen Feiern; Sorge um den familialen
Lebensraum, kirchliche Kindergärten, Kinderpastoral, Sorge um
die Kranken, Pflegebedürftigen und zwar in Verbindung mit den
familialen Lebenswelten.
Solche Aufgaben werden lokale Glaubensnetzwerke erfüllen. Sie
werden eine Größe von 70-100 Beteiligten aufweisen. Sind es
wahrhaft gläubige Gemeinden, ihr Adsum zur ekklesialen Berufung
gesprochen haben, sich von Gott unvertretbar in den Dienst
genommen wissen und dazu die ihnen gegebenen Begabungen
erkunden, entfalten und einbringen, dann soll in diesen
gläubigen Netzwerken auch die Eucharistie gefeiert werden. Denn
auf diese tendiert alles christlich-kirchliche Leben zu und lebt
aus dieser, so das Konzil und gestützt auf dieses Johannes Paul
II. (Ecclesia de eucharistia, 2003).
Die Mitglieder dieser lokalen Glaubensnetzwerke betreiben für
ihre Gemeinde gleichermaßen time- wie moneyspending. Ihre Stärke
sind ihre Mitglieder, welche „randvoll mit dem Evangelium“ ihre
Begabungen zur Verfügung halten. Sie kümmern sich selbst um die
erforderlichen finanziellen wie personellen Ressourcen, welche
die Gemeinde braucht, um ihre Aufgaben intern und in ihrer
Umwelt zu erfüllen. Es sind also Gemeinschaften, die sich auch
selbst finanzieren (und, wie sich zeigen wird, auch ort- wie
weltkirchliche Projekte nach Maßgabe der Mittel mitfinanzieren).
Ein grundlegendes Prinzip ist jenes der breiten Beteiligung.
Diese hat mehrere Gründe: Sozialpsychologisch ist klar, dass
Identifikation durch Partizipation wächst. Auch das
Subsidiaritätsprinzip mahnt ein, dass Entscheidungen, die durch
die Betroffenen selbst gefällt werden können, diesen (auch von
der amtlichen Leitung) nicht abgenommen werden sollen. Das
Hauptargument ist aber theologischer Art: Gottes Geist ist allen
Mitgliedern des Gottesvolks gegeben. Jeder und jede hat daher
etwas beizutragen, gemäß der eigenen Berufung und Begabung.
Solche „Synodalität“ ist kein Gegensatz zum kirchlichen Amt.
Vielmehr ist klar, dass je mehr Synodalität riskiert wird, auch
das Amt umso wichtiger wird. Allerdings ist der Amtsstil in
einer Gemeinschaft ohne synodale Kultur ein anderer als in einer
Gemeinschaft mit einer synodalen Kultur.
Die Dienste, welche die Gemeinde entwickelt, einschließlich der
Leitungsdienste in den verschiedenen pastoralen Projekten der
Gemeinde, werden ehrenamtlich gemacht.
Insofern diese gläubigen Gemeinden eucharistiefähig sein sollen,
brauchen sie jemanden, der der Eucharistiefeier vorsteht, dazu
den sakramentalen Feiern des christlichen Lebens und der nicht
zuletzt die Einheit dieser lokalen gläubigen Gemeinden mit der
Ortskirche, repräsentiert durch den Bischof, sichtbar und
lebendig erhält. Dies geschieht der Sache nach vor allem
dadurch, dass jene, die ein Amt erhalten, dieses nicht von der
Gemeinde, sondern vom Bischof in Verein mit seinem Presbyterium
erhalten.
Auch dieser priesterliche Dienst wird in Zukunft ehrenamtlich
erfüllt werden. Bischof Lobinger und ich schlagen dafür
„Leutepriester“ vor. Es sind gemeindeerfahrene Personen, die
auch die Fähigkeit vom Vorstehen besitzen und die der Bischof
als gemeindliches Presbyterium auf die leere Priesterbank weiht.
Sie erhalten eine angemessene Ausbildung (vielleicht in der Form
des kommenden dreijährigen Bakkalaureats) und eine entsprechend
intensive Fortbildung.
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