Gemeinde (kath. Pfarrei) Themen

Themen der 
(katholischen) Gemeinde

(Gemeinde als Netzwerk)

 

Gemeinde der Zukunft als Netzwerk

0 Es geht um eine demokratische Erneuerung der Kirche

An der Basis finden die größten Änderungen der Kirche statt. Die Menschen weigern sich einer reinen „Top down –Leitung (von oben nach unten)“ unbefragt Folge zu leisten Viel effektiver und motivierender ist ein „bottom up (Leitungsprozesse und –diskurse werden von unten nach oben geführt)“, er erweist sich allenthalben als ein gelungener Leitungsvorgang. Dieser muss aber an der Basis anfangen. Leitung ist Zielorientierung in die möglichst alle eingebunden sein müssen. Dazu sollen einige Gedanken unterbreitet werden. Es geht um eine demokratische Erneuerung von der Basis her.

1 Frühe Einsichten

K. Rahner ist schon in den 80er Jahren der Auffassung, dass die Kirche der Zukunft sich immer mehr von Basisgemeinden, freien Initiativen und Assoziationen her aufbaut. Nur so kann ein neuer Lebensstil gewonnen werden. Der bisherige autoritäre Stil wird ja im­mer weiter geradezu vererbt. Solche neue Gemeinden haben das Recht, von den Bischöfen anerkannt zu werden, dazu müssen sie die Grundfunktionen der Gemeinde gewährlei­sten. Sie bedürfen auch eines eigenen Typs von Gemeindelei­tern. Der Hinweis auf den Priestermangel ist kein Gegenbe­weis. Wenn die Kirche wegen der Zölibatsverpflichtung nicht mehr genügend Gemeindeleiter stellen kann, dann steht es außer Frage, dass diese Verpflichtung fallen muss[i]. Wenn genügend solcher erneuerten Gemeinden die Kirche tragen, dann werden sich die Fragen der Demokratisierung wie von selbst lösen lassen. Das Amt in der Kirche wird trotzdem weiter bestehen. Bei der Bestellung der Amtsträger muss aber geregelte Mitwirkung z. B. durch Wahlen möglich sein. Kooptation ist der Bürokratie zwar sympathischer, sie entspricht aber weniger den Regeln einer Mitwirkung. Entscheidungs­prozesse müssen möglichst an der Basis angesiedelt werden, dann wächst durch die Demokratisierung auch nicht der Apparat.

Das bisherige volkskirchliche Gemeindemodell, meist mit Pfarrei bezeichnet, verliert an Bedeutung. Eine nahezu alle erfassende Arbeit ist schon lange nicht mehr möglich. Viele ziehen sich zurück, andere treten aus, der Gottesdienst verliert an kommunikativer Kraft, weil die Besucherzahlen dramatisch zurückgegangen sind. Neue Formen der Gemeinde innerhalb der herkömmlichen Pfarrei sind sich am entwickeln, die Pfarrei muss sich erneuern. Die allenthalben zu spürenden Versuche, die Pfarreien durch pastorale Räume zu ersetzen, werden durch die größere Entfernung zur Basis die Probleme wohl nur noch verstärken.

»Das neue Kirchenrecht umschreibt die Pfarrei als „eine bestimmte Gemeinschaft von Gläubigen, die in einer Teilkirche auf die Dauer errich­tet ist und deren Seelsorge unter der Autorität des Diöze­sanbischofs einem Pfarrer als ihrem eigenen Hirten anver­traut wird“ (CIC, can. 515,1). Ist in dieser Formulierung die Betonung auf die Gemeinschaft der Gläubigen gelegt, so umschrieb das frühere Kirchenrecht aus dem Jahre 1917 die Pfarrei territorial als klar umschriebenen Teil der Diö­zese (can 216,1). Dahinter verbirgt sich der allgemeine Wandel in Kirche und Theologie und der Umbruch im Verständnis der Pfarrei als „Gemeinde“.«[2)

2 Volkskirche oder kleine Herde?

Über Kirche heute, hier als katholische Kirche gesehen, kann lange reflektiert werden. Hier sollen nur einige wichtige Punkte festgehalten werden. Meist wird mit dem Wort Kirche heute in unserem Land das Wort „Krise“ angewandt. Damit soll ein negativer Sachverhalt ausgedrückt werden. Theologisch wird Kirche dann auch beschrieben „als die kleine Herde“. Gemeint ist dann eher das armselige Häuflein von noch Unentwegten als die Gruppe, die die Verheißung des Reiches Gottes hat, wie es bei Johannes 12,32 steht: „Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn euer Vater hat beschlossen, euch das Reich zu geben.“ Dies besagt, dass wir eine Verheißung haben, die uns Mut macht, die Herausforderungen anzunehmen.

Man kann durchaus von der Erosion einer Gnadenanstalt sprechen (N. Ebertz). Der Gottesdienstbesuch ist drastisch zurückgegangen, es gab und gibt viele Kirchenaustritte. Die Kirche ist nicht mehr einfach ein flächendeckendes System zu dem man gehören muss. Das gilt für die neuen Bundesländern erst recht nicht. Trotzdem haben die beiden Großkirchen in den alten Bundesländern nach 1990 noch über 80% Mitglieder (aber nur 30% in den neuen Bundesländern) und mit den neuen Bundesländern heute (2000) sind es 65%. Es hat sich aber im Verhältnis der Menschen zu ihren Kirchen Entscheidendes verändert.

Was ist gesellschaftlich geschehen? Hier ist vor allem die Entwicklung von Ende der 60-er Jahre an zu sehen. Negativ wird sie oft als Säkularisierung gesehen, davon kommt man aber mehr und mehr ab, weil Religiosität durchaus in hohem Umfang vorhanden ist, aber oft nicht mehr bei den großen Kirchen zu Hause. Positiv wird sie als Individualisierung beschrieben. Der Mensch wird auch hinsichtlich seiner religiösen Entscheidungen von seiner Freiheit herausgefordert. Er muss wählen, welchen Weg er geht. Zulehner sagt: (3)»Er wird zum Freiheitskünstler«. Dies stellt einerseits viel überkommene Gegebenheiten in Frage, führt aber auch andererseits zu einem Suchprozess der zu neuen religiösen Entscheidungen führt, die viel mehr im einzelnen Subjekt verankert sind, als sie es früher institutionell waren. Das Problem ist, dass Kirche hierauf kaum kompetent antwortet, denn eine solches Verständnis von subjektfundierter Religion war sie bisher nicht gewohnt, obwohl es in wesentlichen Punkten schon im Zweiten Vatikanischen Konzil begründet ist, aber der Streit um die Enzyklika »Humanae vitae« Ende der 60-er Jahre bezüglich der Geburtenregelung machte den ganzen Zwiespalt noch einmal deutlich. Durch die wieder gewonnene Einheit Deutschlands hat sich dieser Prozess der Individualisierung noch einmal faktisch in den drastischen Zahlen von Menschen, die nicht mehr getauft sind, verstärkt.

Nach wie vor gehört aber die Mehrzahl der Menschen unseres Landes zu einer der großen Kirchen. (1994 70,4%, die Zahlen dürften heute gegen 65% tendieren). Es muss auch festgestellt werden, dass das vielfältige ehrenamtliche Engagement in den Gemeinden nicht geringer geworden ist. Es kann sogar vorkommen, dass in einer Gemeinde mehr Menschen ehrenamtlich engagiert sind als am Sonntag regelmäßig den Gottesdienst besuchen.

3. Ermöglichungspastoral

Zulehner hat schon in seiner Theorie der Seelsorge darauf aufmerksam gemacht, dass die Gnade Gottes unserem Handeln immer zuvorkommt[3. Das ist ein Grundparadigma der Pastoral. Der Mitarbeiter erzeugt die Gnade Gottes nicht, er hilft dabei, den Mitgliedern der Gemeinde ein Leben aus dem Glauben zu ermöglichen. Diese sind die eigentlich Handelnden. Die Hauptamtlichen sind nicht die großen »Macher«. Damit wird ihnen ein Auftrag zugeschrieben, den sie weder verwirklichen können noch wollen. Alle Gläubigen sind nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil auch die Kirche, das Volk Gottes und dieses ist Träger der Pastoral. Dabei werden die Christgläubigen von den Hautamtlichen unterstützt und gefördert. Dies könnte für eine Ermöglichungspastoral bedeuten:

·        Die Subjekthaftigkeit der Christen fördern,

·        die Erfahrung von Freiheit und Solidarität ermöglichen,

·        die heute das ganze Leben lang währende Identitätsbildung des Menschen als selbst organisierenden Prozess zu sehen und zu bestärken,

·        darauf vertrauen, dass alle ein Charisma haben,

·        dies aufspüren und zum Einsatz ermutigen,

·        Freiräume zur Gestaltung von Gemeinde schaffen,

·        zulassen können,

·        Mitsprache und Mitbestimmung fördern.

All das geschieht in der Begleitung, im Hören, im Bestärken, aber auch in der Kritik aus dem Evangelium, keinesfalls durch Indoktrination und Weisung. Dialog ist die gemäße Kommunikation. Ermöglichungspastoral zielt auf das Hineinwachsen in die Freiheit der Kinder Gottes. Sie ist Weg begleitende Pastoral.

In ihr werden die Gemeindemitglieder zu den eigentlichen Seelsorgern. Freie Subjekte zeichnen sich durch Selbststeuerung und ein hohes Maß an Beteiligung bei der Steuerung von Systemen aus, zu denen sie gehören. Das ist ihrem Verständnis der eigenen Würde gemäß. So kann Kirche von der menschennahen (räumlich und geistig) Beziehungsebene der Gemeinde/Pfarrei, einer Volk-Gottes-Kirche im Sinne des Konzils und der Synode werden. Hier wird ein verantwortbarer Weg zur basisnahen Demokratisierung beschritten.]

Gemeinde lebt vor allem von konkreten Beziehungen »von Angesicht zu Angesicht«. Wie kann das aber heute gehen?

4 Gemeinde als Netzwerk

In der neueren Soziologie spricht man vom »enbedding« der Menschen, das könnte als Entwurzelung oder Entörtlichung im geistigen und räumlichen Sinne verstanden werden. Bedingt ist dies durch die oben genannte Individualisierung. Es ist eine radikale Enttraditionalisierung von Lebensformen erfolgt. Das Großmilieu trägt nicht mehr. Auch neue Sozialmilieus, die auch als Lebensstilenklaven bezeichnet werden, sind in unserer Erlebnisgesellschaft eher »events«, die als »Epiphanieerfahrungen« ihre Bedeutung haben, aber in strukturierte Beziehungen eingebunden werden müssen, damit sie dauernde Wirksamkeit entfalten können. Es gilt in einer mobilen Gesellschaft in Selbstorganisation Beziehungszusammenhänge (Personifikation) zu schaffen, die über menschliche Zweckrationalitäten hinaus vom Glauben getragen werden. Es gilt eine neue geistige Verortung für die Menschen in aller Mobilität zu schaffen[5.

Netzwerke sind Flechtwerke von an Beziehungen orientierten Gruppen. Sie leben aber auch davon, dass der Austausch zwischen diesen Gruppen in Gang kommt. Dazu bedarf es der Moderation. Bei der heutigen Mobilität und Individualität der Menschen sind Netzwerke eine gute Organisationsform zu Bildung von Gemeinde[6]. Sie stellen eine »echte Entfaltungsmöglichkeit des Individuums in einem sozialen Rahmen dar, der das größtmöglichste Entwicklungspotential bietet.«[vii]

Theologisch bilden Netzwerke »Gemeinde als Gemeinschaft von Gemeinschaften«. Ihre Gemeinschaft wird entscheidend begründet in der Feier der Gemeinde (ecclesia), in der wesentlich die Gemeinde konstituierenden Eucharistie.

In der Gemeinde als Netzwerk ist die Aktivität der Christen selbst gefragt, die Beziehungs-Netzwerke in Gruppen bilden. Die Knotenpunkte dieser Netze sind die einzelnen Personen. Die über die kirchlichen hinaus in viele gesellschaftliche Netze verknüpft sind. So kommt es auch zu einer Vernetzung von kirchlicher und örtlicher Gemeinde. Diese Netzwerke leben erheblich von dem sich Begegnen von Angesicht zu Angesicht. Eine frühmittelalterliche Regel fordert vom Pfarrer, dass er seine Schafe von Angesicht zu kennen habe (cognoscet oves suas facie). Diese unmittelbare Beziehung muss heute von Gliedern der Gemeinde selbst getragen werden.

Daneben muss es die Netzwerke der professionellen MitarbeiterInnen geben, die mit den entsprechenden Gremien die Gesamtmoderation haben, bei denen den Pfarrern noch einmal eine besondere Aufgabe der Vernetzung zum geistlichen Amt des Bischofs zukommt.

Also auch der Pfarrgemeinderat muss sich als eine besondere Steuergruppe in diesem Netzwerk verstehen. Nach Möglichkeit müssen die wichtigsten Gruppen auch dort vertreten sein, ggf. sind entsprechende Arbeitskreise zu bilden, nicht um zu reglementieren, sondern um den gemeinsamen Auftrag besser zu erfüllen.

Vom Konzept her ist für dieses Netzwerk und seine Gruppen die Öffentlichkeitsarbeit von großer Bedeutung. Diese geht vom Internet (hier kann der Raum und Bezirk Hilfestellung geben), über die Lokal- und Regionalzeitungen bis hin zu Pfarrbriefen und Schaukästen.

Diese Netzwerke sollten möglichst ortsnah sein, in die Lebenswelten der Menschen hinein reichen. Familie, Freundschaft und Nachbarschaft gehören zu hohen Werten in unserer Gesellschaft. Diese Netzwerke gehen aber in der Spezialisierung der Menschen über den ortsnahen Raum hinaus und verknüpfen sich in den pastoralen Raum als subsidiarische Größe, den Bezirk, das Bistum bis in die Weltkirche hinein. Gemeinde als Netzwerk von Aktivitäten wird eine in Kirche und Gesellschaft eingebundene Größe sein, die den Menschen Verortung im Sinne von Beziehungen mit Angesicht und Sinn- und Wertestiftung gibt. Sie sammelt in einer Gemeinde als Gemeinschaft von Gemeinschaften und trägt zur Gemeindebildung bei. Sie ist missionarisch, weil sie sich in das soziale Umfeld vernetzt und es beeinflusst.

Diese Netzwerke erstrecken sich in alle Funktionen der Gemeinde:

Der Verkündigung (Beispiel Bibelkreis), hier ist Kommunikationspastoral angesagt, über die Netzwerke steht die kirchliche Gemeinde im kommunikativen Prozess der Ortsgemeinde, sie erfährt die wichtigen Dinge aus dem Ort und kann ihrerseits sich aktiv am Ortsgespräch beteiligen.

Der Liturgie (Beispiel MinistrantInnengruppe), hier ist Feierpastoral gefragt, der Zugang zur Liturgie muss offen gestaltet werden und präsent bleiben. Bei besonderen Anlässen wie Kirchweih, Jubiläen und Dorffeste bringt sich auch die kirchliche Gemeinde in den Feiervorgang ein.

Der Diakonie (Beispiel, Caritaskreis, Dritte Weltgruppe, Büchereiarbeit), dienende Pastoral ist unverzichtbarer Auftrag, hier gilt es die Probleme von Menschen und Situationen zu erkennen.

Ganz wichtig ist aber auch immer wieder der Dienst an der Einheit in der kirchlichen Gemeinde und in die örtliche Umgebung hinein. Versöhnung ist ein unverzichtbares Thema. Diese Grundaufgabe der Kirche, sich im Sinne des Reiches Gottes für Gerechtigkeit und Frieden einzusetzen, ist wesentlicher Auftrag von allen.

Es gibt noch eine Fülle von anderen Gruppierungen, die heute schon faktisch in diesem Netzwerk existieren.

Dabei spielt die Ökumene eine besondere Rolle, weil die evangelische Kirche ja den gleichen Grundauftrag hat. Er sollte soweit als möglich und notwendig gemeinsam wahrgenommen werden.

So werden diese verknüpften Netzwerke von Menschen und ihren Aktivitäten zu einer Form von Selbstbestimmung in und für die Kirche und prägen so das Bild einer Kirche, die Teilhabe und damit Demokratisierung fördert. Diese Netzwerke sind ja getragen von den Geistesgaben zur Auferbauung der Gemeinde, sie sind echte charismatische Erneuerung. Dazu gehören vor allem auch die Verbände, die eine wichtige Aufgabe im Netzwerk der Gemeinde wahrnehmen.

4 Verbände im Netzwerk Gemeinde z.B. die KAB (Katholische Arbeitnehmer-Bewegung)

4.1. Kirchliche Aussagen

Im Dekret über das Apostolat der Laien heißt es[8]: »In der Kirche gibt es nämlich sehr viele apostolische Werke, die durch freie Entschließung der Laien zustande kommen und auch nach ihrem klugen Urteil geleitet werden. Durch solche Werke kann die Sendung der Kirche unter bestimmten Umständen sogar besser erfüllt werden.« Diese Werke sind Kirche. In Deutschland sind sie oft als Vereine und Verbände organisiert.

Vereine sind Zusammenschlüsse von Personen (in der Regel natürlichen Personen), die sich zu einem bestimmten Zweck zusammenfinden. Es gibt ein Vereinsziel, die Mitglieder und in der Regel auch eine Satzung, nach der sich das Leben dieses Vereines tätigt.

Die Verbände und Vereine in unserem Lande haben sich überwiegend nicht nach kirchlichen, sondern nach staatlichem Recht organisiert, sei es als eingetragener oder nicht eingetragener Verein. Das Vereinsrecht des BGB schreibt die entsprechenden Rahmenbedingungen dann für solche Vereine vor. Die Kirche in unserem Land hat es unterstützt, dass katholische Vereine sich in dieses Rechtssystem hineinbegeben.

Die Verbände haben sich in ihrer missionarischen Arbeit bewährt, die zur Verbreitung christlicher Überzeugungen in der Gesellschaft in vielen Bereichen führt. Sie sind nicht nur christliche Strukturen in der Gesellschaft, sondern auch gesellschaftliche Strukturen in der Kirche[9]. Diese Ausführungen gelten analog im Wesentlichen für alle katholischen Verbände.

4.2 Selbstverständnis der KAB

»Kirche als Gesamtheit der Gläubigen versteht sich als Volk Gottes, das von Gott in Jesus Christus berufen und gesandt ist, am Aufbau des Reiches Gottes in dieser Welt mitzuwirken. Als Volk Gottes ist die Kirche unterwegs in der Tradition der Befreiungsgeschichte, die Gott mit dem Volk Israels verbunden hat. Jesus Christus fordert durch sein befreiendes Leben und Handeln, Leiden und Auferstehen die Kirche heraus, nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit zu suchen (Matthäus 6,33). Diese Hoffnungsbotschaft im persönlichen und politischen Leben heute Wirklichkeit werden zu lassen, sieht die KAB als ihren spezifischen Auftrag. So ist sie Teil des Volkes Gottes. KAB ist Kirche«.So steht es im Grundsatzprogramm der KAB.

»(26) Als Kirche ist die KAB berufen, an der Verwirklichung des Reiches Gottes mitzuwirken:

Im prophetischen Auftrag, um soziale Missstände aufzuzeigen, anzuklagen und zu verändern,

in der Option für die Armen, um Anwalt zu sein für die gesellschaftlich Benachteiligten und  Ausgegrenzten,

durch Aktion und Bildung, um den Auftrag zur Verkündigung der befreienden Botschaft zu erfüllen,

durch internationale Solidarität, um weltweit Gerechtigkeit, Frieden und Entwicklung zu fördern,

durch die Verwirklichung und Weiterentwicklung der kirchlichen Sozialverkündigung,

in der ökumenischen Zusammenarbeit.[10]«

Dieses Kirche sein vollzieht sich in demokratischen Formen innerhalb der Lehre der Kirche, besonders bezüglich der Leitung in demokratischen Formen. Die Leitung wird gewählt. So heißt es z.B. in der Gesamtsatzung der KAB im Bistum Limburg für die Vereine:

»§ 13 Generalversammlung

Die Generalversammlung ist das oberste Beschluss fassende Organ des KAB-Ver­eins/Katholischen Arbeitervereins. Ihr gehören alle Mitglieder des KAB-Vereins/Katholischen Arbeitervereins gemäß § 11 der Satzung als stimmberechtigte Mitglieder an.

Der Generalversammlung obliegen:

a) die Wahl des Vorstandes

b) die Wahl eines Präses oder einer Geistlichen Begleiterin/eines Geistlichen Be­gleiters. Als Präses kann nur ein Priester gewählt werden. Die Wahl einer Geistlichen Begleiterin/eines Geistlichen Begleiters richtet sich nach den je­weils geltenden Bestimmungen über die geistliche Leitung in den kirchlich aner­kannten Katholischen Verbänden im Bistum Limburg. Die Beauftragung des Prä­ses bzw. einer Geistlichen Begleiterin/eines Geistlichen Begleiters erfolgt durch den Diözesanpräses, wobei die Amtszeit sich auf die Zeit der beruflichen Tätigkeit an dem Ort dieser Tätigkeit zum Zeitpunkt der Wahl erstreckt;

c) die Wahl von Kassenprüfern/innen auf zwei Jahre;

d) die Wahl der Delegierten für den Bezirkstag und den Diözesantag; …«

Die Leitung einschließlich des Präses wird gewählt, weiterhin werden Kassenprüfer und Delegierte gewählt. Auch die Entlastung des Vorstandes gehört dazu. Analog gilt das auch für Bezirk und Bistum. Hier liegt also in der Kirche eine demokratische Leitungsstruktur vor.[xi]

4.3. KAB im Netzwerk Gemeinde

Der Verein ist selbst ein Netzwerk seiner Mitglieder. Sie kennen sich in der Regel unmittelbar. Sie pflegen Beziehungen über den Verein im Sinn seiner Aufgabenstellung. Gerade auch die Vertrauensleute tragen intensiv zu dieser Vernetzung bei. Die Mitglieder haben ein Gesicht, sie geben damit auch dem Verein ein Gesicht. Der Verein ist eine Vernetzung von lebendigen Beziehungen, eine unmittelbare Verortung der Mitglieder untereinander und in ihrer Lebenswelt. Sie sind untereinander solidarisch. Die Mitglieder selbst sind wieder vernetzt mit vielen privaten, pfarrlichen und gesellschaftlichen Bereichen.

Der jeweilige Verein strebt eine gute Verbindung an mit der gesamten Pfarrei in der er lebt. Er existiert im Netzwerk der Gemeinde mit all ihren Funktionen und Gruppierungen. In Zusammenarbeit mit dieser übt er seinen Dienst für diese Welt aus. Er hat mit ihr einen gemeinsamen Heilsdienst zu tun. Er stärkt sich in der Pfarrei, in der Verkündigung und Eucharistie. Hier ist der entscheidende Kern der Gemeinsamkeit. Die verschiedensten Gruppen und Vereine haben in der Pfarrei ihren Platz. Sie müssen die Beziehung zueinander suchen. Dies zu fördern ist vor allem Aufgabe des Amtes; man nennt dies auch die Vernetzung der Aktivitäten. Der jeweilige Verein trägt aber die Aktivitäten der Pfarrei in vielfältiger Weise mit. Die Gemeinde der Zukunft wird eine Gemeinschaft von Gemeinschaften sein, die sich in den verschiedensten Welt- und Lebensbereichen entwickelt. Ihre Frömmigkeit ist dann vom Dienst an der Welt bestimmt. Verbände folgen den Menschen, deshalb sind sie auch in Bereichen tätig, wo Pfarreien nicht hinkommen, sie sind in besonderer Weise missionarisch. Diese größere Gemeinschaft wird in ihren Aktivitäten vielfältig von dem KAB-Verein mitgetragen und trägt diesen. Über die Gemeinde ist die KAB dann auch mit den größeren Räumen und dem Bistum vernetzt.

Die Vereine pflegen aber auch die Beziehungen zu ihrer Umgebung über die Schule bis zum Betreiben von Freizeiteinrichtungen. Dazu gehört natürlich auch die Ökumene. Auch über sie ist damit Gemeinde missionarisch tätig.

Der Verein ist im Verband mit der Bezirks-, Diözesan- und Bundesebene und darüber hinaus international vernetzt. So trägt er auch mit den anderen katholischen Verbänden bei zum großen Netzwerk Kirche in der Welt und leistet durch seine Struktur und seinen Auftrag einen Beitrag zu Menschenwürde in Freiheit und Solidarität, die er am ehesten in demokratischen Strukturen gesichert sieht.

(Aus: Ernst Leuninger, Wir sind das Volk Gottes! Demokratisierung der Kirche, DVD Ketteler Verlag GmbH Köln , http://www.ketteler-verlag.de  )

 



[i] K. RAHNER, Strukturwandel der Kirche als Aufgabe und Chance, Freiburg 1989, S. 132.

2 L. Karrer, Wir sind wirklich das Volk Gottes, Freiburg/Schweiz 1994, S. 94.

3 P. M. Zulehner, Denn du kommst unserem Tun mit deiner Gnade zuvor. Zur Theologie der Seelsorge heute, Paul M3. Zulehner im Gespräch mit Karl Rahner, Stuttgart Neuauflage 2003.

[i4] Näheres dazu bei: Eckart, J, Ermöglichungspastoral. Ein neues Paradigma in der Seelsorge, Norderstedt 2004,

[5] F.- B. Tebartz-van Elst, Gemeinde in mobiler Gesellschaft, Würzburg 1999, S. 687 ff.

[6] Tebartz-van Elst, P.-J., Gemeinden werden sich verändert, Würzburg 2001 S44

[7] Lutz, R, in: H. Keupp/B. Röhrle, Soziale Netzwerke, Frankfurt a.M. 1987, S 19

[9] Die Deutschen Bischöfe, Wort zur Stellung der Verbände in der Kirche, Bonn 1990 S. 3.

[10] Grundsatzprogramm der KAB von 1996 in Bad Honnef § 20 und 26.

[11]Gesamtsatzung der KAB Diözesanverband Limburg 2001

 

 
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E. Leuninger
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