buchbesprechungen zur kathoilschen Soziallehre

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Katholische SozialLehre
Catholic Social Teaching
Autor: Ernst Leuninger

Thema der Seite: Buchbesprechungen

Buchbesprechung Erwin Hinder, Das christlich-soziale Prinzip bei Franz von Baader

batz Roland

Dr. Roland Batz, Diözesanpräses der KAB (Katholische Arbeitnehmer-Bewegung im Bistum Regensburg)

Buch: Frauen in der Arbeitswelt

 

Buchbesprechung Frauen in der Arbeitswelt

Roland Batz, Frauen in der Arbeitswelt, Studien zur Theologie und Praxis der Seelsorge 45, Würzburg 2001

Feministische Theologie beschränkt sich in unserem Land sehr oft auf sicher wichtige kirchliche Fragen. Dabei dürfen aber Fragen der sozialen Lage von Frauen nicht außen vor bleiben. In diesem Buch ist es nun ein Mann, der das Thema Frauen in der Arbeitswelt aufgreift. Es ist Theologie für Frauen, die er damit betreibt. Seine Kompetenz in dieser Frage ergibt sich aus seiner Berufsbiografie. Geboren 1963. Bevor er nach dem Theologiestudium Priester und Sozialpfarrer im Bistum Regensburg wurde, durchlief er eine Werkzeugmacherlehre. Er kennt die Welt, über die er hier schriebt aus eigener Erfahrung. Das gibt dem Buch eine besonderer Glaubwürdigkeit. Es geht ihm als Seelsorger außerdem noch um ein sozialpastorales Anliegen.

In einer sehr ausführlichen Einleitung wird die Arbeiterfrage dargestellt und der Anteil der Kirche und ihrer Verbände für die Entwicklung der Arbeiterfrage. Die eigentliche Thematik wird dann vom von Seite 84 an bearbeitet. Das geschieht im klassischen Dreischritt, den Cardijn in die Arbeit eingeführt hat: Sehen - Urteilen - Handeln. Dieser Dreischritt ist inzwischen Allgemeingut geworden und findet sich auch schon in päpstlichen Lehrschreiben.

In einem deduktiven Ansatz beschreibt er im Teil "Sehen" die Situation der arbeitenden Frauen indem der die Begriffe wie Emanzipation und Gleichberechtigung klärt und dann das Problem der Doppelbelastung von Frauen durch Arbeit und Haushalt darstellt. Einen besonderen Schwerpunkt legt er auf die Situation der Industriearbeiterinnen in der Oberpfalz. Er stellt ihre Arbeit vom Bedingungen der dortigen Industrialisierung bis zum Beginn des 2. Weltkrieges dar und führt eine Befragung zur heutigen Situation durch, die er im Buch auswertet. Diese Auswertung schließt mit dem Eindruck der Frauen, dass sie Kirche in ihrer Situation nicht als hilfreich erfahren haben. Deutlich wird auch die heutige Benachteiligungen der Frauen, Männer werden überall bevorzugt: "Weil sie kein Kinder bekommen" wie Frauen dies sarkastisch darstellen. Die Arbeiterfrage war und ist verschärft eine Frauenfrage.

Im Teil "Urteilen" wird die Rolle der Kirche in der Aufarbeitung dieser Frage dargestellt. Um des Familienlebens weist Ketteler die Frauenarbeit zurück. Es wurde aber immer wieder ein familiengerechten Lohn gefordert. Die Tendenz bleibt bis in Texte nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil bestehen. So hatte man es erwartet. In den Arbeitervereinen wurde auch ursprünglich diese Tendenz vertreten, es wuchs aber die Einsicht, dass Erwerbsarbeit für Frauen eine Notwenigkeit war und so kam es zur Gründung von Arbeiterinnenvereinen. Auch in diesen wurde aber das Mutterideal hochgehalten und sollten die Frauen befähigt werden, mit dieser doppelten Aufgabe fertig zu werden. Nach den Erfahrungen des 1. Weltkrieges wuchs die Einsicht, das Frauenerwerbsarbeit zu einer Dauererscheinung würde. Trotzdem wurden kirchliche Verbände und kirchliche Würdenträger nicht unbedingt zu Kämpfern für die Emanzipation, eher im Gegenteil. Seit 1972 rückte die Chancengleichheit der Frau mehr und mehr in das Blickfeld der KAB. Erziehung wird dann 1996 als Mutter- und Vateraufgabe dargestellt. In verschiedenen Modellen wird dann der Weg zu einer gleichberechtigten und gleichbezahlten Arbeit der Frau angegangen.

Im Kapitel "Handeln" werden die Handlungsansätze aufgezeigt, die sich aus der grundsätzlichen Einstellung ergaben. Sie waren eher diakonischer Natur. Religiöse Unkenntnis, sittliche Gefährdung und Unkenntnis der Haushaltsführung waren wohl Kernprobleme dieser Arbeit. Die Präsides der Arbeiterinnenvereine nahmen sich aber zum großen Teil engagiert diesen Aufgaben an. Hilfreich war die Bildung eines eigenen Kassenwesens und der Rechtsberatung. 1939 erfolgte die zwangsweise Auflösung, nach 1945 wurde ein gemeinsamer Verband für Frauen und Männer gegründet. 1995 übersteigt die Anzahl der weiblichen Mitglieder die der männlichen. Dabei sind patriarchalische Grundverständnisse bei Männern nach wie vor nicht auszuschließen. Aber trotz Gleichberechtigung, trotz Aufhebung der "Hausfrauenehe" als verpflichtendes Modell 1997 sind die Frauen nach wie vor die Verliererinnen auch der postindustriellen Gesellschaft. Frauen akzeptieren dies immer weniger. Dies muss als "Zeichen der Zeit" gedeutet werden.

KAB und Kirche muss kämpferisch für die Rechte der Frauen im Arbeitsleben eintreten. Da muss auch in der Struktur der Kirche einiges geschehen, damit die Kirche nicht neues Versagen zu verantworten hat.

Ein sehr lesenwertes Buch, vor allem auch für Männer, die damit ihren Horizont erweitern können, das gilt bis in höchste Kirchenkreise hinein. Sicher keine Erfolgsgeschichte kirchlichen Arbeitens, doch ein Aufruf, es besser zu machen als in früheren Zeiten, ja auch bis in unsere Zeit.

 Limburg, den 08.03.02

r. Ernst Leuninger

 

Buchbesprechung

Erwin Hinder, Das christlich-soziale Prinzip bei Franz von Baader

Frankfurt 2001

566 Seiten

 

Die Promotion an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar setzt sich das Ziel, die Bedeutung des christlich-sozialen Prinzips bei Franz von Baader herauszuarbeiten. Dieser Begriff geht im wesentlichen auf diesen Autor zurück. Er betrachtet ihn als Gestaltungsprinzip, das Kirche und damit Christen in unsere Gesellschaft einzubringen haben. Diese Herausarbeitung ist der Arbeit vorzüglich gelungen. Dazu wurde eine äußerst umfangreiche Recherche in den Quellen und in der Sekundärliteratur betrieben.

 

Hinder führt die Leser in die Zeit Baaders und seine Persönlichkeit ein. Gerade die Restauration katholischer Romantiker dürfte nicht mehr so unmittelbar bekannt sein. Es lässt erstaunen, welche Lebensleistung ein theologischer Autodidakt vollbrachte, der Medizin und Bergwissenschaft studiert hatte und hauptberuflich anerkannter Bergbaufachmann war. Sein vom Christentum begründeter philosophischer Ansatz wird deutlich gemacht, Baader ist nicht einfach im Vergleich zu den Revolutionären konservativ, sondern er macht die Bedeutung des einzelnen Menschen in seiner solidarischen Verflochtenheit deutlich. Hinder gelingt es, das eigenständig Neue Baaders heraus zu kristallisieren. Er macht seine Verbundenheit mit der damaligen Zeit deutlich, aber auch sein Drängen auf Evolution.

                  

Für Baader ist das grundlegende Sozialprinzip der Gesellschaft die Liebe. Sie ist letztlich begründet im innewohnenden Gott. Hinzu kommt das Sozialprinzip Freiheit. Auch hier bezieht er sich auf christliche Ansätze, Er will eine ständisch gegliederte Gesellschaft. Hier geschieht eine romantische Rückwendung in ein verklärtes Mittelalter. Wichtig ist ihm die solidarisch geeinte Gesellschaft. In dieser Gesellschaft sollen die Priester die Anwälte der Armen sein. Seine Perspektive geht auf ein" christliches Europa der Vaterländer` und letztlich einen Völkerbund. Er verlangt eine soziale Indienstnahme des Eigentums. Das Wirtschaftslebens muss letztlich personalisiert und von der Liebe getragen werden. Vom Neoliberalismus setzt er sich deutlich ab. Die Communio der Menschheit ist in der communio - stiftenden Funktion der Eucharistie begründet. Von daher wird auch der menschliche Sozialorganismus aufgebaut. Christlich-soziales Handeln ist nicht revolutionär, sondern evolutiv. Die gesellschaftliche humane Evolution muss durch eine ständig sich in Christus erneuernde Kirche getragen, die Welt muss christlich transformiert werden.

 

Hinder zeigt aber auch die Grenzen Baaders auf Da ist vor allem der Vorwurf, dass er den Theosophen nahe gestanden habe. Hinder kann nachweisen, dass dies auf den Zeitraum, in dem die sozialen Gedanken Baaders vor allem entstanden sind, keinen Einfluss gehabt hat. Sein Hindenken zur russischen Orthodoxie war durch Enttäuschungen in der Entwicklung des Papsttums bedingt. Die Päpste entwickelten sich immer autoritärer. Von einer Partnerschaft zwischen Amt und Volk konnte auch nicht im Ansatz die Rede sein. Das Konzept einer ständisch gegliederten Gesellschaft war auch nicht zu halten. Letztlich hat sich einerseits die Produktionsweise, andererseits die Verfassung der Gesellschaft im demokratischen Staat geändert. Hier wird, die geschichtliche Bedingtheit der Ansätze von Baader deutlich.

 

Die Herabsetzung durch andere führte nahezu zum Vergessen des christlich-sozialen Ansatzes von Baader, den Hinder ein Modell von Sozialtheologie nennt. Hinzu kam die Dominanz des naturrechtlichen Ansatzes. Erst mit dem Il. Vatikanischen Konzil kamen sozialtheologische Gedanken wieder zum Durchbruch. Der Verfasser der Promotionsarbeit nennt hier vor allem die neue Perspektive von "Gaudium et spes". Her wird die sendungsgemäße Weltbezogenheit der Kirche deutlich. Alle sind Kirche, alle tragen die Sendung der Kirche. Dies wird vor allem in den folgenden Lehrschreiben der Päpste deutlich, die die christliche Sendung, zur Weltgestaltung betonen. Auch in der politischen Theologie und der Befreiungstheologie werden  theologische Ansätze der Soziallehre, besser der Sozialverkündigung betont. In einem abschließenden Kapitel würdigt Hinder den Ertrag, der Sozialtheologie Baaders im Licht der nachkonziliaren Sozialverkündigung. Die Christen selbst werden immer mehr zu Subjekten christlich-sozialen Handelns. Die religiöse Sendung der Kirche ist eine höchst humane, so kann es mit dem Konzil gesagt werden. Es sollte dann nach Auffassung Hinders eine Sozialtheologie für das nächste Jahrtausend entstehen.

 

Wer einmal aus dem 19. Jahrhundert einen anderen Ansatz als den naturrechtlichen lesen will, dem sei dieses Buch empfohlen. Bei aller zeitgeschichtlichen Bedingtheit von Baader wird seine Denken und die Begründung des Sozialen von der Offenbarung her deutlich. Wichtig ist auch, dass hier ein Laie und theologischer Autodidakt diese Entwürfe gemacht hat Wenn auch vieles überholt ist, was Baader dachte, so hat er doch einen wesentlichen Beitrag zum Suchprozess einer in Liebe erneuerten Gesellschaft geleistet. Das Buch hat den Verdienst, in diese Denken für Menschen unserer Zeit verständlich zu machen.

 

 

 

 

 


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Geändert: 08.04.02  Dr. Ernst Leuninger