| Buchbesprechung Frauen in der
Arbeitswelt
Roland Batz, Frauen in der Arbeitswelt, Studien zur Theologie und
Praxis der Seelsorge 45, Würzburg 2001
Feministische Theologie beschränkt sich in unserem Land sehr oft auf
sicher wichtige kirchliche Fragen. Dabei dürfen aber Fragen der sozialen Lage von Frauen
nicht außen vor bleiben. In diesem Buch ist es nun ein Mann, der das Thema Frauen in der
Arbeitswelt aufgreift. Es ist Theologie für Frauen, die er damit betreibt. Seine
Kompetenz in dieser Frage ergibt sich aus seiner Berufsbiografie. Geboren 1963. Bevor er
nach dem Theologiestudium Priester und Sozialpfarrer im Bistum Regensburg wurde, durchlief
er eine Werkzeugmacherlehre. Er kennt die Welt, über die er hier schriebt aus eigener
Erfahrung. Das gibt dem Buch eine besonderer Glaubwürdigkeit. Es geht ihm als Seelsorger
außerdem noch um ein sozialpastorales Anliegen.
In einer sehr ausführlichen Einleitung wird die Arbeiterfrage
dargestellt und der Anteil der Kirche und ihrer Verbände für die Entwicklung der
Arbeiterfrage. Die eigentliche Thematik wird dann vom von Seite 84 an bearbeitet. Das
geschieht im klassischen Dreischritt, den Cardijn in die Arbeit eingeführt hat: Sehen -
Urteilen - Handeln. Dieser Dreischritt ist inzwischen Allgemeingut geworden und findet
sich auch schon in päpstlichen Lehrschreiben.
In einem deduktiven Ansatz beschreibt er im Teil "Sehen"
die Situation der arbeitenden Frauen indem der die Begriffe wie Emanzipation und
Gleichberechtigung klärt und dann das Problem der Doppelbelastung von Frauen durch Arbeit
und Haushalt darstellt. Einen besonderen Schwerpunkt legt er auf die Situation der
Industriearbeiterinnen in der Oberpfalz. Er stellt ihre Arbeit vom Bedingungen der
dortigen Industrialisierung bis zum Beginn des 2. Weltkrieges dar und führt eine
Befragung zur heutigen Situation durch, die er im Buch auswertet. Diese Auswertung
schließt mit dem Eindruck der Frauen, dass sie Kirche in ihrer Situation nicht als
hilfreich erfahren haben. Deutlich wird auch die heutige Benachteiligungen der Frauen,
Männer werden überall bevorzugt: "Weil sie kein Kinder bekommen" wie Frauen
dies sarkastisch darstellen. Die Arbeiterfrage war und ist verschärft eine Frauenfrage.
Im Teil "Urteilen" wird die Rolle der Kirche in der
Aufarbeitung dieser Frage dargestellt. Um des Familienlebens weist Ketteler die
Frauenarbeit zurück. Es wurde aber immer wieder ein familiengerechten Lohn gefordert. Die
Tendenz bleibt bis in Texte nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil bestehen. So hatte man
es erwartet. In den Arbeitervereinen wurde auch ursprünglich diese Tendenz vertreten, es
wuchs aber die Einsicht, dass Erwerbsarbeit für Frauen eine Notwenigkeit war und so kam
es zur Gründung von Arbeiterinnenvereinen. Auch in diesen wurde aber das Mutterideal
hochgehalten und sollten die Frauen befähigt werden, mit dieser doppelten Aufgabe fertig
zu werden. Nach den Erfahrungen des 1. Weltkrieges wuchs die Einsicht, das
Frauenerwerbsarbeit zu einer Dauererscheinung würde. Trotzdem wurden kirchliche Verbände
und kirchliche Würdenträger nicht unbedingt zu Kämpfern für die Emanzipation, eher im
Gegenteil. Seit 1972 rückte die Chancengleichheit der Frau mehr und mehr in das Blickfeld
der KAB. Erziehung wird dann 1996 als Mutter- und Vateraufgabe dargestellt. In
verschiedenen Modellen wird dann der Weg zu einer gleichberechtigten und gleichbezahlten
Arbeit der Frau angegangen.
Im Kapitel "Handeln" werden die Handlungsansätze
aufgezeigt, die sich aus der grundsätzlichen Einstellung ergaben. Sie waren eher
diakonischer Natur. Religiöse Unkenntnis, sittliche Gefährdung und Unkenntnis der
Haushaltsführung waren wohl Kernprobleme dieser Arbeit. Die Präsides der
Arbeiterinnenvereine nahmen sich aber zum großen Teil engagiert diesen Aufgaben an.
Hilfreich war die Bildung eines eigenen Kassenwesens und der Rechtsberatung. 1939 erfolgte
die zwangsweise Auflösung, nach 1945 wurde ein gemeinsamer Verband für Frauen und
Männer gegründet. 1995 übersteigt die Anzahl der weiblichen Mitglieder die der
männlichen. Dabei sind patriarchalische Grundverständnisse bei Männern nach wie vor
nicht auszuschließen. Aber trotz Gleichberechtigung, trotz Aufhebung der
"Hausfrauenehe" als verpflichtendes Modell 1997 sind die Frauen nach wie vor die
Verliererinnen auch der postindustriellen Gesellschaft. Frauen akzeptieren dies immer
weniger. Dies muss als "Zeichen der Zeit" gedeutet werden.
KAB und Kirche muss kämpferisch für die Rechte der Frauen im
Arbeitsleben eintreten. Da muss auch in der Struktur der Kirche einiges geschehen, damit
die Kirche nicht neues Versagen zu verantworten hat.
Ein sehr lesenwertes Buch, vor allem auch für Männer, die damit
ihren Horizont erweitern können, das gilt bis in höchste Kirchenkreise hinein. Sicher
keine Erfolgsgeschichte kirchlichen Arbeitens, doch ein Aufruf, es besser zu machen als in
früheren Zeiten, ja auch bis in unsere Zeit.
Limburg, den 08.03.02
D r. Ernst Leuninger |