Gewalt-Gewaltprävention Katholische Soziallehre

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Katholische SozialLehre
Catholic Social Teaching
Autor: Ernst Leuninger

Thema der Seite: Gewalt - Gewaltprävention

Prof. Dr. Ernst Leuninger gewaltfrei.doc

Bosnien-Kosovo-Beauftragter des Bischofs von Limburg

 

Gerechter Friede, - Der Einsatz für Gewaltlosigkeit

Zu den ältesten Ausdrucksformen des Bösen, das wissen wir aus der Heilgen Schrift, gehört die Gewalt bis zum Totschlag. Sie begleitet die Menschheit durch Jahrtausende. Wir haben gespenstisch-große Ausbrüche der Gewalt erlebt, ich noch den 2. Weltkrieg, aber auch heutedie Ausbrüche die Kriege in Bosnien und im Kosowo.

Gewalt in der Schule, das gab es zu meiner Schulzeit auch schon, aber die Gewalttäter waren nicht nur Schüler, sondern auch Lehrer, die -so erfahren- die Schülerinnen und Schüler gleich klassenweise übers Knie legten. Und was sind zu meiner Kinderzeit daheim noch Frauen und Kinder verprügelt worden. Als Westerwälder kannte ich die Realität der Prügelei nach dem Tanzvergnügen. Wir haben aber auch unserer eigenen Geschichte mit der massenmordendenden Staatsgewalt.

Damit will ich Gewaltausbrüche heute nicht verharmlosen, sondern deutlich machen, dass die Auseinandersetzungen mit der Gewalt immer notwendig ist, ureigenste Aufgabe der Christen, die daran oft genug versagt haben und gerade heute besonders gefordert, weil die Gewalt oft wider rassistische Ziele sucht.

Wir sprechen heute von Rüstungskonversion. Umschmieden von Waffen, so wie der Prophet es angesagt hat. Der jüngste Brief der deutschen Bischöfe "Gerechter Friede" greift dies auch in dem Kapitel über den Geist der Gewaltfreiheit als inspirierende Kraft auf. Die Kirchen sollen Orte der gelebten angebrochenen Gottesherrschaft, des Reiches des Friedens sein. Deshalb ist die Förderung von Gewaltfreiheit ihr Anliegen. Im Epeserbrief steht im 6. Kapitel: "11 Zieht die Rüstung Gottes an, damit ihr den listigen Anschlägen des Teufels widerstehen könnt. 12 Denn wir haben nicht gegen Menschen aus Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern gegen die Fürsten und Gewalten, gegen die Beherrscher dieser finsteren Welt, gegen die bösen Geister des himmlischen Bereichs. 13 Darum legt die Rüstung Gottes an, damit ihr am Tag des Unheils standhalten, alles vollbringen und den Kampf bestehen könnt. 14 Seid also standhaft: Gürtet euch mit Wahrheit, zieht als Panzer die Gerechtigkeit an 15 und als Schuhe die Bereitschaft, für das Evangelium vom Frieden zu kämpfen. 16 Vor allem greift zum Schild des Glaubens! Mit ihm könnt ihr alle feurigen Geschosse des Bösen auslöschen. 17 Nehmt den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, das ist das Wort Gottes."

Für die Bischöfe ist der Friedensdienst kein betuliches und beschauliches Erlebnis, sondern Kampf und Kontemplation. Es gilt den Mächten der Gewalt auch bis aufs Blut zu widerstehen, das haben ja Menschen im 3. Reich zu Genüge im Martyrium erfahren. Der heilige Franziskus hat die friedensstiftende Haltung in ein Gebet gefasst:

 

Herr, mach mich zu einem Werkzeug Deines Friedens,

dass ich liebe, wo man hasst;

dass ich verzeihe, wo man beleidigt;

dass ich verbinde, wo Streit ist;

dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist;

dass ich Glauben bringe, wo Zweifel droht;

dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;

dass ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert;

dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.

In diesem Sinne verstehe ich den Satz Matthäus 5,39, dem der auf die linke Wange zuschlägt, auch die rechte hinzuhalten, nicht als Gesetz, der jeden Durchgeknallten machen lässt was er will, sondern als einen Rat, im Konflikt immer die möglichst gewaltfreieste Lösung zu suchen. Diese Haltung ist sicher anstrengender als einfach zurückzuschlagen, sie durchkreuzt diese Automatik, deshalb muss sie eingeübt werden.

Zu Fremdenhass und Rassismus (Vortrag)

Zu den Seiten der EKD gegen Antisemitismus

Aus dem Brief der Deutschen Bischöfe :"Gerechter Friede"

4 Kulturelle und spirituelle Dimensionen

des Dienstes am gerechten Frieden

4.1 Erziehung und Bildung

(197) Frieden muss von möglichst vielen Menschen mitgetragen werden, von ihrer Motivation und ihrem festen Willen, Konflikte ge-waltfrei auszutragen. Das gilt im persönlichen Umfeld ebenso wie in der Politik. Der Blick auf übergreifende Strukturen darf nicht davon ablenken, dass es immer Menschen sind, die entscheiden und han-deln. Erziehung und Bildung können dazu beitragen, eine persönli-che Identität auszubilden, die dem menschlichen Hang zur Gewalt widersteht. Dazu bedarf es der beständigen Einübung jener Tugenden, die das Charisma der Friedfertigkeit ausmachen und die Frie-densfähigkeit einer Gesellschaft beeinflussen. Der Friede wird in den Köpfen und Herzen der Menschen gewonnen oder verloren. Al-le pädagogische Arbeit in der Kirche oder in kirchlicher Verantwor-tung muss deshalb vom Geist Jesu geprägt sein.
(198) In der Familie werden gerade mit Blick auf die Regelung von Konflikten Grundhaltungen eingeübt und Verhaltensmuster erlernt, die zeitlebens prägen. Eine Politik der Gewaltvorbeugung hat also in der Familie ihren ursprünglichsten Ort. Sie wird die Familien fördern und nicht benachteiligen. Christliche Eltern sollten sich bewusst sein, welch bedeutsame Rolle ihr Vorbild für Kinder und Heranwachsende spielt. Gewalt gegen Kinder, zumal sexueller Miss-brauch, stellt einen schweren Verstoß gegen die erzieherische Ver-antwortung dar, die Eltern, Pädagogen und Seelsorger tragen. Der entschlossene Widerstand der Kirche gegen die Tötung von Unge-borenen muss seine Fortsetzung finden im Einsatz für die Lebens-rechte von Kindern und Jugendlichen. Dabei messen wir den kirch-lichen und gesellschaftlichen Initiativen gegen Kinderprostitution, Kinderhandel und Kinderarbeit größtes Gewicht zu.
(199) Neben der Familie sind es besonders katholische Kindergär-ten und Schulen, die in ihrer Arbeit wichtige Einstellungen und Fähigkeiten für ein friedliches Zusammenleben vermitteln. Das Aus-maß an schulischer Gewalt muss den Erziehungs- und Lehrpersonen Anstoß und Ansporn sein, ihr eigenes Verhalten, die Situation in den Einrichtungen und im Elternhaus sowie die Formen des Unterrichts kritisch zu prüfen. Viele Konflikte beruhen auf Vorurteilen und Man-gel an Kenntnissen und praktischen Erfahrungen im Umgang mit Angehörigen anderer Religionen, Völker oder Kulturen. Darum muss es das Ziel katholischer Erziehung und Bildung sein, diesen Konfliktursachen gezielt entgegenzuarbeiten. Es reicht nicht, nur theoretische Kenntnisse zu vermitteln. Wirkliches Kennenlernen braucht die Form persönlicher Begegnung. Einen guten Weg eröff-nen gemeinsame Feiern von Festen und die Teilnahme an allen Ge-legenheiten, die einen Einblick in das Leben Andersgläubiger und Menschen anderer Volkszugehörigkeit bieten.
(200) Die Kinder- und Jugendarbeit in Pfarrgemeinden und Verbän-den eröffnet einen Bereich im Leben heranwachsender Menschen, der sich deutlich abhebt von der familiären und schulischen Erzie-hung. In höherem Maße als dort üben sie hier eigenverantwortliches Entscheiden und Handeln ein. Direkter als sonst erleben sie deshalb auch, wie die unterschiedlichen Interessen und Bedürfnisse zu Kon-flikten führen. Gruppenleiter und Gruppenleiterinnen können das ihnen entgegengebrachte Vertrauen nutzen, um die Kinder und Ju-gendlichen darin zu stärken, beim friedlichen Austrag von Konflik-ten Durchsetzungsvermögen mit Rücksichtnahme und Kompromiss-bereitschaft zu verbinden.

(201) Schule wie außerschulische Kinder- und Jugendarbeit sind zentrale Orte einer Medienpädagogik, die die Gewalt-Frage zu ei-nem ihrer Hauptthemen macht. Die jungen Menschen wachsen heu-te in einer Medienumwelt auf, die durch und durch gewaltgetränkt ist. Vielfach dienen die Gewaltdarstellungen, der ununterbrochene Reigen von Mord, Schändung und Erniedrigung, zu nichts anderem als dem Nervenkitzel; auf fatale Weise wird die Lust an der Gewalt geschürt und bedient. Kinder und Jugendliche, die innerlich noch nicht gefestigt sind, erhalten durch Fernsehen, Kino und Videos zu-gleich eine nicht enden wollende Lehrstunde über den Umgang mit Konflikten. Denn nicht nur verüben die „Bösen" ständig Gewalt-taten, sondern sie zwingen die „Guten", ihre Gegner mit denselben Mitteln zu überwinden, wenn nicht gar zu vernichten und auszu-löschen. Gewalt, so lernt man, ist die letztlich einzig geeignete Methode, um Konflikte zu lösen und dem „Guten" zum Durchbruch zu verhelfen. Medienpädagogik hat die schwierige Aufgabe, den Mechanismus der profitgesteuerten Dauerberieselung zu enttarnen und den jungen Menschen eine kritische Sichtweise der Gewaltdar-stellungen und der hinter ihnen liegenden Ideologie zu ermöglichen. Außerdem sollten alternative Angebote zum geläufigen Gewalt-Programm erschlossen und so die Sehgewohnheiten der jüngeren Zuschauer verändert werden. Im Vordergrund stehen dabei nicht Filme oder Sendungen, in denen Gewalt nicht zur Sprache kommt, sondern solche, die sich kritisch mit der Gewalt und ihren Folgen auseinander setzen.

(202) Die Katholischen Akademien wollen durch ihre Angebote an Information und Diskussion Einfluss nehmen auf die Formung des öffentlichen Bewusstseins. Schon ihr dialogischer Charakter ent-spricht  dem Charakter einer offenen Gesellschaft und trägt dazu bei, .Ideologien den Boden zu entziehen. Mehr noch aber hat die Wahl der Inhalte und Themen Bedeutung für den Abbau von Vorurteilen und Feindbildern. Die Auseinandersetzung mit der Geschichte wie mit aktuellen Problemen sind dabei gleichermaßen wichtig. Veranstal-tungen und Veranstaltungsformen, die mehr oder weniger unmittel-bar auf das Anliegen einer friedensorientierten Bildung bezogen sind, haben besonderes Gewicht.
(203) Der geistliche Charakter der Friedensarbeit muss also den Geist aller katholischen Erziehungs- und Bildungseinrichtungen be-stimmen. Sowohl das persönliche Vorbild der dort Tätigen wie auch die Beschäftigung mit Heiligen, Märtyrern und anderen vorbildli-chen Personen durch Literatur und Film, Meditation und Spiel sowie im Gottesdienst sollten selbstverständlich sein. An ihnen kann und sollte anschaulich und begreiflich werden, dass der Geist der Ge-waltfreiheit als der Geist Jesu Christi nicht Schwäche bedeutet, son-dern Stärke, nicht Wegschauen, sondern Hinsehen, nicht Heraushal-ten, sondern Einmischen. Wir beten und hoffen, dass der Heilige Geist in der Kirche Begeisterung weckt für die Sache des gerechten Friedens – und damit für Gottes Herrschaft und Reich.

4.2 Der Geist der Gewaltfreiheit als inspirierende Kraft

(204) „Wie willkommen sind auf den Bergen die Schritte des Freu-denboten, der Frieden ankündigt, der eine frohe Botschaft bringt und Rettung verheißt, der zu Zion sagt: Dein Gott ist König" (Jes 52,7). Als Jesus in Galiläa auftrat und die Königsherrschaft Gottes ausrief, wusste er sich als dieser Friedensbote. Seine gute Botschaft bringt uns ein Ethos der Gewaltfreiheit, der Feindesliebe und der Versöh-nungsbereitschaft. Wir sehen die Kirche als Ort der angebrochenen Königsherrschaft Gottes und uns, die wir als Glieder der Kirche in der Nachfolge Jesu stehen, als Bürgerinnen und Bürger des Gottes-reiches.Kraft der Taufe sind wir inspiriert durch den Geist Christi.Der Heilige Geist lässt uns die Welt mit anderen Augen sehen. Er tröstet uns, wenn unser Mühen wenig fruchtet oder scheitert. Er stärkt uns, wenn unsere Kräfte erlahmen. Ohne ihn erschöpft sich
112 unser Einsatz für den Frieden in moralischer Pflichterfüllung. Wir denken auch an den Epheserbrief, der im 6. Kapitel ein gutes Wort etwa für die Firmung junger Menschen enthält, sie einstimmen kann auf ihren Friedensdienst in Kirche und Gesellschaft. Es geht darum, die „Rüstung Gottes" anzulegen. Wir haben es ja nicht nur mit Fleisch und Blut zu tun, nicht nur mit bösen Menschen und üblen Strukturen, sondern mit der gar nicht so leicht fassbaren Macht des Bösen. Allein auf uns gestellt stünden wir auf verlorenem Posten. Wer da widerstehen will, bedarf der „Rüstung Gottes". Die legt an, wer „Christus anzieht". Er rüstet uns mit seinen „Waffen" aus. Die sind einfach entwaffnend: „Gürtet euch mit der Wahrheit, zieht als Panzer die Gerechtigkeit an und als Schuhe die Bereitschaft, für das Evangelium vom Frieden zu kämpfen. Vor allem greift zum Schild des Glaubens! Mit ihm könnt ihr die feurigen Geschosse des Bösen auslöschen. Nehmt den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, das ist das Wort Gottes."(Eph 6,14-17) So werden Waffen umge-schmiedet. (205) Friedensdienst ist kein betuliches und beschauliches Erlebnis, sondern „Kampf und Kontemplation". Oft genug schließt er die Be-reitschaft ein, in der Nachfolge Jesu Christi das Martyrium zu erlei-den, um den Mächten der Gewalt zu widerstehen und den Teufels-kreis des Hasses zu durchbrechen. Gerade in Situationen, in denen Gewalt droht oder herrscht, brauchen wir den Geist der Wahrheit, der Mut und Standfestigkeit verleiht, und den Beistand, der vor Angst und Verzweiflung schützt. (206) Die erste und wichtigste Frucht des Geistes ist das Gebet. Es ist ein gutes Zeichen, dass in den letzten Jahren vielerorts in den Ge-meinden regelmäßige Friedensgebete entstanden sind. Traditionelle und neue Elemente (etwa Gebetsketten) werden dabei kreativ mit-einander verbunden. Wir regen an, den am ersten Januar jeden Jah-res in der ganzen Kirche begangenen Welttag des Friedens im persönlichen und gemeindlichen Leben stärker zu beachten. Katho-lische Verbände wie BDKJ , kfd, DJK, KDFB, GKMD und Pax Christi führen am Welttag des Friedens Gebetsstunden durch und können darin vorbildlich wirken. Indem die Militärseelsorge und die Gemeinschaft katholischer Soldaten diesen Tag begehen, unterstrei-chen sie, worauf der Soldatendienst ausgerichtet ist. Wir empfehlen ebenso die Teilnahme an den verschiedenen Wallfahrten für den Frieden, wobei die traditionelle Friedenswallfahrt der Soldaten nach Lourdes besondere Erwähnung verdient.

(207) Wer sich in der Kirche dem Einsatz für den Frieden ver-pflichtet weiß, sollte ausdrücklich in das gemeindliche Leben ein-bezogen werden. Es wäre wünschenswert, liturgische Formen zu finden, die solche Personen zu Beginn und am Ende ihres Engage-ments öffentlich begleiten. Durch eine Aussendung im Gottesdienst könnte deutlich werden, dass ein solcher Dienst mehr ist als eine Privatsache und von der Firmung getragen ist. (208) Frieden kann letztlich nur mit Gott gelingen. Kaum jemand hat das so ausdrücklich bezeugt wie der heilige Franz von Assisi. In seinem Geist beten wir:

Herr, mach mich zu einem Werkzeug Deines Friedens,

dass ich liebe, wo man hasst;

dass ich verzeihe, wo man beleidigt;

dass ich verbinde, wo Streit ist;

dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist;

dass ich Glauben bringe, wo Zweifel droht;

dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;

dass ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert;

dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.

Herr, lass mich trachten,

nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste;

nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe;

nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.

Denn wer sich hingibt, der empfängt;

wer sich selbst vergisst, der findet;

wer verzeiht, dem wird verziehen;

und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.

Ganzer Text: auf der Seite der deutschen Bischofskonferenz

 

 


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Geändert: 21.12.2000 Dr. Ernst Leuninger